Die erste preußische Perle an der Mosel: Die Ortsgemeinde Senheim erstreckt sich auf beide Ufer und bietet eine spannende wie kuriose Geschichte. Foto: Nina BuschbaumNina Buschbaum / Die erste preußische Perle an der Mosel: Die Ortsgemeinde Senheim erstreckt sich auf beide Ufer und bietet eine spannende wie kuriose Geschichte.

Gemeinde des Monats Dezember 2019: Ortsgemeinde Senheim

Senheim, an der Südostspitze des sogenannten „Cochemer Krampen“ gelegen, ist aufgrund der weinbaulichen Nutzung, der Orts- und Landschaftsbilder, der Baukultur und der siedlungsgeschichtlichen Bedeutung ein wesentlicher Teil der Kulturlandschaft Mosel.

Als die Preußen kamen

In Senheim bietet die Geschichte ein hochinteressantes Kuriosum: Seit 1618 hat Preußen hier Besitz und Rechte, während alle übrigen Moselorte erst 1815 dem Wiener Kongress zufolge preußisch wurden. Die Senheimer können sich rühmen, die ersten und ältesten Preußen an der Mosel zu sein. Nachdem 1839 der historische Ortskern durch einen Großbrand fast komplett zerstört wurde, konzipierte man vor dem Wiederaufbau ein quadratisches Wegenetz mit breiten Straßen. So besitzt Senheim den einzigen klassizistischen Ortsgrundriss zwischen Koblenz und Trier. Weil die Bewohner beim Wiederaufbau des Dorfes möglichst schnell wieder ein Dach über dem Kopf haben wollten, legten die Verantwortlichen wenig Wert auf architektonische Schönheit. Daher erklärt sich der einfache und fast standardisierte Haustyp im Ortskern. Um die Gäste Senheims über die historische Bausubstanz zu informieren, sind an 22 Häusern Objekttafeln angebracht. Hierzu zählen beispielsweise die Kirche, das Pfarrhaus, die Magdalenenkapelle im Ortsteil Senhals, das Schulhaus, das Amtsgebäude und das Weinmuseum.

Über die Brücke

Die Ortsteile Senheim und Senhals sind durch eine Brücke miteinander verbunden. Als positives Signal in Hinblick auf die Ortsentwicklung ist zu werten, dass junge Familien Leerstände erwerben, die aufwendig – besonders nach energetischen Gesichtspunkten – saniert werden. Auch nachdem die Gemeinde im Ortsteil Senhals ein Neubaugebiet ausgewiesen hat, das positiv angenommen wurde, besteht nach wie vor reges Interesse an Bauland. Deshalb soll entweder in Senhals oder im Grenzbereich von Senheim weiteres Baugebiet erschlossen werden. Der Trend zeigt nach oben: In den letzten Jahren bewegen sich die Einwohnerzahlen zwischen 550 und 600. Zwar werden sich voraussichtlich diese Zahlen stabilisieren, jedoch ist dabei eine Verjüngung der Altersstruktur zu vermuten, da die Attraktivität von Senheim vermehrt junge Leute anziehen wird. Schließlich hat Senheim eine Kindertageseinrichtung, in der auch Kinder aus den Nachbargemeinden aufgenommen werden.

Hier spricht der Bürgermeister

Seit den 1960er Jahren bedient sich der Ortsbürgermeister einer besonderen Methode, die Senheimer anzusprechen. Jeden Sonntag um 11 Uhr bekommen die Bürger über die Ortsrufanlage nach der Titelmusik von ihm die Gemeindenachrichten mitgeteilt. Sie erfahren so Neuigkeiten aus dem Dorfleben und bekommen Hinweise auf Veranstaltungen. Auch den Einwohnern, die in der folgenden Woche Geburtstag feiern, wird über diesen Ortsrundfunk vom Ortsbürgermeister gratuliert. Senheim kann außerdem mit einer vielfältigen Infrastruktur aufwarten. Direkt in Ortsnähe liegt der Yachthafen Senheim. Hier können 140 Sportboote mit bis zu 14 Metern Länge problemlos anlegen. Den Freizeitkapitänen werden moderne Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten geboten, auch ein WLAN-Netz ist aufgebaut.

Kunst am Hang

Vom Moselufer bis in die Weinberge ist seit 1999 kontinuierlich der Skulpturenpark Senheim gewachsen. Auf Initiative des ortsansässigen Künstlers Christoph Anders haben dort verschiedene Bildhauer ihre Exponate eingebracht. Entliehen wurden die zehn Themen des Parks aus der unmittelbaren Umgebung. Sie bilden eine Wechselbeziehung zwischen Land- und Ortschaft, Natur und Kultur unter Einbindung des Menschen. Integriert in den Skulpturenpark Senheim ist der Literatenweg, an dessen 14 Stelen Kunstobjekte von jährlich wechselnden Künstlern präsentiert werden.

Naherholung am Strom

Einige Kilometer moselaufwärts liegt das Senheimer Naturschutzgebiet „Insel Taubengrün“. Dieser Biotopkomplex ist ein naturnaher Lebensraum mit einer umfangreichen Artenvielfalt. Hier findet der Naturliebhaber eine bemerkenswerte Flora und Fauna. Zur besseren Erschließung der Umgebung hat die Gemeinde innerhalb ihrer Gemarkungsgrenzen ein weitläufiges Wandernetz angelegt. Durch die Vernetzung mit den Wanderwegen der Nachbargemeinden kann der Wanderer auch deren Sehenswürdigkeiten erreichen, wie beispielsweise den Keltenring auf dem Hochkessel oder die Römergräber bei Nehren. Komplettiert wird dieses Angebot durch Jogger-Strecken und eine Nordic-Walking-Route. Auf beiden Moselseiten findet der Radfahrer außerdem sehr gut ausgebaute Radwege. Bequem lassen sich darüber interessante Ziele wie Beilstein, Cochem oder Zell erreichen.

Erstklassige Rebe

Der Weinbau ist seit Jahrhunderten der dominierende Wirtschaftszweig in Senheim. Hervorragende Weinqualitäten gehen aus den Rebflächen hervor, wovon sich die Senheimer Lay mit 100% Riesling-Anbau hervorhebt. Ein Spiegelbild dessen sind die hochkarätigen Auszeichnungen der Senheimer Weine bei den jährlichen Weinprämierungen. Erfreulich ist, dass viele Jungwinzer die elterlichen Betriebe weiterführen. Die heimische Gastronomie, die Straußwirtschaften und Vinotheken laden ein, diese Spitzenprodukte direkt vor Ort zu kosten.

Autoren: Inge Schlagkamp, Dr. Friedhelm Buschbaum

Weitere Informationen

www.senheim.de


Beitrag aus Gemeinde und Stadt 12/2019

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