angellodeco / stock.adobe.com

Corona-Virus: Stresstest für unser Gesundheitssystem – Richtige Schlussfolgerungen ziehen

Auch Rheinland-Pfalz ist von Corona-Fällen nicht verschont geblieben. Erste Kindergärten und Schulen mussten aufgrund von Quarantäne-Maßnahmen geschlossen werden. Das wird sicher auch noch nicht alles sein. Schließlich werden auch weitreichende Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens zu erwarten sein. Dennoch sind steigende Fallzahlen kein Anlass zur Panik. Bei Personen ohne Vorerkrankungen verlaufen die Symptome wie bei einer normalen Grippe meist harmlos und werden teilweise sogar gar nicht bemerkt. Zahlreiche Personen, die sich angesteckt hatten, sind mittlerweile wieder gesund.

Trotzdem: Das Virus ist ein Stresstest für viele gesellschaftliche Netzwerke und insbesondere für unser Gesundheitssystem. Dieser hat gezeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen gut funktioniert. Schon früh gab es Telefonkonferenzen, damit die Kommunen rechtzeitig über den Stand der Ausbreitung und die Strategie, anstatt sich mit der Rückverfolgung von Infektionsketten zu befassen, sich auf die Eindämmung der Verbreitung zu konzentrieren, informiert und eingebunden sind. Auch die Strategie, besonderen Augenmerks auf Risikogruppen wie ältere Personen oder solchen mit Vorerkrankungen zu legen, ist richtig.

Der Corona-Virus trifft auf uns in Zeiten, in denen wir in Rheinland-Pfalz tagtäglich in den Medien Berichte über Krankenhausschließungen, Ärztemangel und Pflegenotstand lesen, sehen und hören können. Auch wenn der Infektionsverlauf anfangs mäßig und dann schneller anstieg macht der Stresstest besonders in einer solchen Situation sehr deutlich, dass unser Gesundheitssystem sehr stark nach dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit ausgerichtet ist und so auch zum Bettenabbau bzw. Häuserschließungen im Land führt. Gerade in Krisensituationen ist es wichtig, auch in der Fläche Krankenhäuser der Grundversorgung vorzuhalten, um damit auch Reservemöglichkeiten zu haben. Das muss dann allerdings auch gesamtstaatlich finanziert werden. Aber nicht nur in diesen Extremfällen bleibt die Frage: Was ist uns unsere Gesundheit und unser Gesundheitssystem wert? Für eine adäquate ärztliche Versorgung - nicht nur in Krisenzeiten – muss die Raumgliederung der Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung in Abstimmung mit der Landesregierung und den kommunalen Spitzenverbänden dringend überprüft und zum Zwecke einer bedarfsgerechten, homogenen und stabilen Versorgung angepasst werden.

Bis dahin bleibt zu hoffen, dass sich wie auch bei der Grippe mit dem beginnenden Frühling die Verbreitung unter Beachtung des Prinzips „möglichst wenige soziale Kontakte“ deutlich verlangsamt oder zum Erliegen kommen wird.

In jeder Krise liegt auch eine Chance. Das gilt auch für Corona. Wenn es gelingt, aus der Krise zu lernen, wird am Ende ein besseres Gesundheitssystem mit mehr Daseinsvorsorge und Krisenprävention für die Zukunft stehen. Diese Diskussion muss sogleich beginnen.


GStB-Kommentar aus Gemeinde und Stadt 03/2020

Dr. Karl-Heinz Frieden
Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des
Gemeinde- und Städtebundes

Verwendung von Cookies: Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Ja, ich stimme zu.