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Schulen auf dem holprigen Weg ins digitale Zeitalter

Endlich, nach langem zähen politischem Ringen zwischen Bund und Ländern, wird der Bund in Zukunft berechtigt sein, in die digitale Bildung in den Schulen, aber auch in die Lehrerfortbildung zu investieren. Im politischen Rheinland-Pfalz läuft die Vorbereitung der Umsetzung derzeit auf Hochtouren. Das Bildungsministerium hat in einer Vorabfassung der Richtlinie zur Umsetzung des DigitalPakts Schule nunmehr bekannt gegeben, welche Schulträger Mittel in welcher Höhe von den landesweit insgesamt 242 Mio. Euro (bezogen auf 5 Jahre) erhalten werden.

Antragstellungen sollen nach den Plänen der Landesregierung ab Ende September möglich sein. Der GStB hat durchgesetzt, dass die Mittel in Form eines Sockelbetrags in Höhe von 15.000 Euro pro Schule sowie eines Betrages pro Schüler verteilt werden. Damit wird auch den Interessen gerade der kleinen Schulen Rechnung getragen und Schulstandorte in kleineren Kommunen können ihre Attraktivität steigern.

Die Mittel müssen nicht die Schulen selbst, sondern deren Träger also regelmäßig die Kommunen beantragen. Dieses wird mancherorts noch zur Herausforderung führen. Notwendig ist die Vorlage eines sogenannten Medienentwicklungskonzepts. Dies ist sicher richtig, wird aber oftmals auch im Hinblick auf das pädagogische Konzept nicht einfach sein. Da der Stand der Dinge in Sachen Digitalisierung in den Schulen sehr unterschiedlich ist, kann dieses Konzept, dass sich sowohl auf die technischen Voraussetzungen bezieht, als auch die pädagogische Zielsetzung und Umsetzung beinhaltet, nur von den Schulen selbst vorgelegt werden. Nach Auskunft des Ministeriums für Bildung berät das Pädagogische Landesinstitut Rheinland-Pfalz die Schulträger in Bezug auf die Erstellung der Medienkonzepte.

So schön und beachtlich ausgestattet das Geschenk „DigitalPakt Schule“ vom Bund ist, so darf auch nicht verschwiegen werden, dass die Kommunen einen Eigenanteil in Höhe von 10 % zu tragen haben. Auch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass IT nur eine recht kurze Halbwertzeit hat, der DigitalPakt Schule jedoch nicht als dauerhaftes Programm ausgestaltet ist. Es ist also absehbar, dass hier künftig Folgeinvestitionen erforderlich sein werden. Dennoch sollte das Programm nicht zerredet, sondern die Chance ergriffen werden, unsere Schulen zu modernisieren.

Bei der Umsetzung des DigitalPakts Schule insgesamt und gerade beim technischen Support sind noch viele Fragen ungeklärt. Derzeit finden mit der Landesregierung noch Gespräche über die anteilige Kostentragung des Landes am technischen Support, der Anwendungsbetreuung, statt. Konsequenterweise sollte diese Aufgabe von den Schulträgern übernommen werden, um das alltägliche Funktionieren zu gewährleisten. Es bleibt zu hoffen, dass hier eine Lösung gefunden wird, bei der die Kommunen am Ende nicht auf einem viel zu großen Kostenberg sitzen bleiben.

Mit der Bereitstellung der Technik ist es allerdings bei Weitem nicht getan. Gerade in den Grundschulen, die in der Regel bislang noch weniger digital arbeiten, wird ein Schwerpunkt darin liegen, die Lehrerinnen und Lehrer entsprechend auf die neuen Aufgaben vorzubereiten. Neben dem technischen Support durch die Schulträger ist die Weiterbildung der Lehrkräfte ebenfalls nur im Anfangsstadium. Der Weg der Schulen ins digitale Zeitalter ist holprig.

Der DigitalPakt Schule ist ein wichtiger Schritt, um unsere Kinder in einer zunehmend digitalisierten Welt fit für die Zukunft zu machen. Wer heute nicht handelt, wird morgen zu den Verlierern gehören. Gerade weil Deutschland ein rohstoffarmes Land ist, liegt unsere einzige Chance in Bildung und Innovation. Dafür ist der DigitalPakt Schule ein wichtiger Baustein. Dieses Zukunftsprojekt lässt sich nicht von heute auf morgen umsetzen, sondern ist vielmehr ein Prozess, an dem stetig weitergearbeitet werden muss und für den wir auch eine nachhaltige Finanzierung benötigen.


GStB-Kommentar aus Gemeinde und Stadt 08/2019

Dr. Karl-Heinz Frieden
Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des
Gemeinde- und Städtebundes

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