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Bericht des Vorsitzenden Oktober 2019

Liebe Leserinnen und Leser, die Debatten und Berichte über den Klimawandel und dessen Konsequenzen haben uns alle in den letzten Monaten stark beschäftigt. Im Grunde bezieht jeder Mann und jede Frau emotional Position zu dem Thema, das ja in der Tat ein „globales“ Thema ist und irgendwie die Zukunft des Planeten und der Menschheit betrifft und damit jeden und jeden einzelnen.

Und da weiß auch jeder Bescheid, mehr oder weniger, insbesondere wenn man sich einzelne von jeder Sachkenntnis ungetrübte Äußerungen von Augen führt oder anhört. Jedenfalls wird vieles mit großem Pathos vorgetragen und gefordert - möglichst abstrakt, damit ja niemand versteht, zu welchen konkreten Konsequenzen der Vorschlag dann beim einzelnen führt.

Die Bundesregierung hat nun ein Klimaschutzpaket verabschiedet. Die darin enthaltenen Vorschläge sind sehr umfangreich. Über vieles kann man streiten. Vieles sind Kompromisse.
„Die Welt retten“ wird es auch nicht - wie denn auch? -  Es geht um ein globales und kein nationales Problem, aber es ist ein Anfang.

Interessant für mich ist aber auch, wie wir als Gesellschaft damit umgehen. Statt die Themen rational zu diskutieren, machen wir eine Umfrage! Diese Umfrage bringt dann ein tolles Ergebnis:

Über die Hälfte der Befragten findet, die Vorschläge (CO2- Bepreisung etc. ) gingen ihnen nicht weit genug. Zweidrittel der Befragten meinte aber gleichzeitig, die Preise für Diesel und Benzin dürften wegen der CO2-Bepreisung nicht steigen!
Mich erinnert das an ein Auto, das mir öfters begegnet ist. Es war mit mehreren Aufklebern versehen. Auf dem einen stand: ATOMKRAFT-NEIN DANKE! Auf dem zweiten: GARZWEILER II stoppen! Mit dem dritten Aufkleber protestierte der Besitzer gegen ein lokales Windkraftprojekt. Bei dem Fahrzeug handelt es sich nicht etwa um ein Pferdefuhrwerk sondern einen mindestens 200 PS starken SUV!

Manchmal fragt man sich schon, was sich so mancher denkt und ob er das, was er fordert auch zu Ende denkt.

Fest steht, dass wir momentan starke Klimaveränderungen beobachten und daher handeln müssen! Dabei sind wir auch kommunal gefordert, um den CO2-Ausstoß zu verringern.

Mit einem lokalen Klimaschutzkonzept, wie es viele Kommunen bereits beschlossen haben oder beraten, kann man viele kleine Möglichkeiten erkennen, um beim Klimaschutz mitzuwirken, von der Verbesserung der Wärmedämmung an öffentlichen Gebäuden, über die systematische Untersuchung der Nutzung von Dächern für Solarenergie, Maßnahmen zur Stadtbegrünung, Nahwärmenetze  anregen und betreiben, und, und und. Der Möglichkeiten sind viele. Es lohnt sich, hier zu handeln und so ganz konkret Verantwortung zu übernehmen, statt über „globale“ Probleme zu schwadronieren und wenn es konkret wird, die Konsequenzen der eigenen Forderungen zu leugnen!

Ganz konkret wird der Klimawandel im Wald sichtbar und spürbar. Was Borkenkäfer und Dürre in den vergangenen beiden Jahren angerichtet haben, wird uns noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte beschäftigen.

Dabei ist der Wald die CO2-Senke schlechthin.

Der Wiederaufbau der Wälder ist deshalb eine vordringlich nationale Aufgabe! Aber auch eine lokale - zumindest in Rheinland-Pfalz.  Hier gehört die Hälfte des Waldes den Gemeinden. Wir benötigen dabei aber massive finanzielle Unterstützung von Land und Bund und kluges Handeln vor Ort. Mit „einfach Bäume pflanzen“ ist es nicht getan. Die standortgerechte Auswahl der Bäume unter Berücksichtigung der klimabedingten Veränderungen ist ebenso erforderlich.
Es ist aber auch erforderlich, dass durch intensive Bejagung ein natürlicher Wiederaufwuchs ermöglicht wird; denn Naturverjüngung führt zu den stabilsten Mischwäldern! Diese erfordern auch eine ordentliche Bewirtschaftung. Mit Urwäldern ist im Übrigen dem Klima in Mitteleuropa auch nicht zu helfen, allenfalls in der Gedankenwelt esoterisch angehauchter Buchautoren!

Ganz konkret wird Klimaschutz auch, wenn es um die Zukunft ländlicher Räume geht.

Mit der Bepreisung von CO2 wird sich auch die Mobilität verändern. Mobil zu sein, ist aber für die Menschen im ländlichen Raum ein MUSS.  Wir sind im Alltag auf das Auto angewiesen, um zur Schule, zur Arbeit, zum Einkauf oder auch zum Arzt zu gelangen. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Allein ein Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs wird auch keine Lösung bringen, da dies in sehr dünnbesiedelten, zentrumsfernen Regionen nicht finanzierbar und auch nicht unbedingt  klimafreundlich ist ( der CO2-Ausstoß eines mit einer Person besetzten Busses ist höher als wenn die gleiche Person einen PKW nutzen würde).

Unter den Bedingungen des anderen großen Themas „Digitalisierung“ ergeben sich auch hier neue Chancen, über die wir reden müssen.

Deshalb haben wir unsere diesjährige Mitgliederversammlung am Montag, den 4. November in Bingen, unter das Thema „Kommunen, Mobilität & Arbeit 4.0“ gestellt.
Wir wollen dort gemeinsam diskutieren, welche Konsequenzen die anstehenden Veränderungen für das Leben in unseren ländlichen Räumen haben und wie dabei die Gemeinden und Städte aktiv mitgestalten können.
Es werden sicher keine perfekten Lösungen angeboten, aber Ansätze aufgezeigt, wie wir handeln könnten. Dabei wird auch vieles für Sie vor Ort bei Ihren Entscheidungen nicht nutzbar sein. Aber vielleicht ist für Sie auch ein brauchbarer Vorschlag dabei!

Lassen Sie sich anregen und kommen Sie am 4. November nach Bingen!
Es wird sich lohnen.

Herzliche Grüße
Ihr

Aloysius Söhngen


GStB-Bericht aus Gemeinde und Stadt 10/2019

Aloysius Söhngen
Vorsitzender des Gemeinde- und Städtebundes

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