Dr. Christian Mücksch

Milchstraße, Andromeda und Antares im Blick

Das Dorf Rumbach im Dahner Felsenland hat es als erste Kommune zum Titel „Gemeinde unter den Sternen“ gebracht. Ressourcen und Kosten spart sie obendrein.

„Mach’s Licht aus, dass wir die Sterne besser sehen!“ Mit diesem Satz zitiert Ralf Weber, Ortsbürgermeister der 450-Einwohner-Gemeinde Rumbach im Dahner Felsenland, Gäste eines Restaurants am Ortsrand. Denn von jener Terrasse aus lasse sich der Nachthimmel über der pfälzischen Gemeinde besonders angenehm genießen. Als erste und bislang einzige Kommune überhaupt hat Rumbach den Titel „Gemeinde unter den Sternen“ errungen – eingebettet in das Projekt „Sternenpark Pfälzerwald“.

Für die Zertifizierung braucht es Punkte in mehreren Kategorien, etwa Lichtmenge und -lenkung (möglichst zentriert Richtung Boden), Leuchtdauer und Farbspektrum des Lichts. Gerade das letzte Kriterium macht es manchen potenziellen Interessenten schwer: Viele Gemeinden haben erst vor kurzem ihre Straßenbeleuchtung auf LED-Technik umgerüstet – und ausgerechnet die besonders sparsamen Leuchten erfüllen die Anforderungen an die Lichtfarbe nicht.
Darin sieht Anna Katharina Prim, Projektkoordinatorin von „Sternenpark Pfälzerwald“ einen Grund, warum Rumbach bisher als einziger Ort zertifiziert ist. Den durchaus anspruchsvollen Silber-Standard haben die Rumbacher bereits geschafft, „Gold“ wollen sie noch erreichen – mit vielerlei Maßnahmen. Das reicht vom Herunterdimmen der 80 Straßenlampen auf weniger als die halbe Leuchtkraft (was auch deutlich Kosten spart) über den Verzicht auf alle unnötigen Lichtemissionen bis hin zum Einbeziehen der Bürger, die auf störende Beleuchtung an ihren Häusern und drum herum verzichten.

Vielfältige Bürgerbeteiligung

Denn die Bevölkerung zieht toll mit, berichtet Bürgermeister Weber voller Stolz. Und das nicht nur im Sternenpark-Projekt. An erfolgreichen Gemeinschaftsaktion zählt Weber beispielhaft den Bau von Fledermauskästen auf, die Bepflanzung von Blühstreifen und Blumenbeeten, die Vorarbeiten für das Aufstellen von „Insektenhotels“ – all das unter reger Bürgerbeteiligung. Ein gemeinsam geschaffener Generationenpark mit Boule-Feld, Wasserspielen und Kneipp-Becken, Spielmöglichkeiten und behindertengerechter Toiletten-Anlage hat sich als Dorf-Treffpunkt fest etabliert. Dieser gelebte Gemeinsinn ließ Rumbach auch zum ersten „fair-trade-Dorf“ überhaupt werden.
Den Laden mit fair gehandelten und regionalen Produkten nutzen Einheimische und Touristen in gleicher Weise. Das macht das professionell geführte Geschäft profitabel – übrigens auch für die zahlreichen Vermieter von Ferienwohnungen und Gästezimmern im Ort.

Dr. Christian Mücksch

Erweiterter Service der Vermieter

Als „Gastgeber unter den Sternen“ können sich Vermieter ebenfalls zertifizieren lassen. Dazu müssen sie, über den Verzicht auf unnötige Außenbeleuchtung hinausgehend, einigen Zusatz-Service bieten: beispielsweise das Vorhandensein von Taschenlampen mit spezieller Lichtfarbe für die Orientierung draußen bei tiefer Dunkelheit, oder im Hotelbetrieb deutlich ausgeweitete Frühstückszeiten – damit die Freude am nächtlichen Sternenhimmel nicht zu Stress am Morgen führt. Die Ferienwohnungsnutzer werden hingegen den Laden direkt vor der Tür zu schätzen wissen. So wie den spektakulären Anblick von Milchstraße und Co. über ihnen.

Stille, Kühle, klare Luft

Ortsbürgermeister Ralf Weber, seit rund sieben Jahren im Amt, betont im Gespräch die Doppelfunktion des Ortes als Wohn- und Touristikgemeinde. Die Teilhabe am ihn begeisternden Sternenpark-Projekt komme allen zugute – angesichts von mehr als 100 Gästebetten im Ort und zwischen 13.000 und 14.000 Übernachtungen im Jahr.
Das Dahner Felsenland zieht Besucher von weither an. Neben den Pluspunkten Stille, Kühle und reine Luft ist für den Bürgermeister der Titel „Gemeinde unter den Sternen“ ein weiterer touristisch wirksamer Faktor.
Zusätzlich schätzt Weber die Wirkung ins Dorf und die Region hinein als äußerst wertvoll ein: „Wir verfolgen die Intention, die Leute aufzuklären, dass man auch im Kleinen etwas machen und bewirken kann.“ Und darin seien sich Bürgermeister und Gemeinderat absolut einig.

Der „Sternenpark Pfälzerwald“ muss noch entstehen

Das Projekt entstand 2016 aus einer Machbarkeitsstudie der Universität Kaiserslautern, die zu dem Ergebnis kam, dass die Dunkelheit in dem großen zusammenhängenden Waldgebiet ausreichen dürfte. Seit 2018 wird es aus Mitteln der EU und des Landes gefördert.

Die Ziele des Projekts reichen von der Sensibilisierung für das Thema Lichtverschmutzung über die Förderung von an die nächtliche Dunkelheit angepasste Tourismus-Angebote bis zum Beitrag zu Biodiversität und Ressourcenschutz.
Die weltweite „Sternenpark“-Bewegung geht zurück auf die „International Dark-Sky Association“ (IDA), gegründet Ende der 1980er Jahre in den USA. Deren Anforderungen sind sehr hoch: 80 Prozent aller Gemeinden in einem Projektgebiet müssen teilnehmen, um die Kriterien für eine Zertifizierung nach IDA-Standard zu erfüllen.

Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, räumt Projekt-Koordinatorin Anna Prim ein. Bewusstsein fördern nennt sie als vordringliche Aufgabe: „Die Leute sollten wissen, welchen Schatz sie hier am Himmel haben“, sagt sie. Und verweist als Beispiel auf den vom Projekt geschaffenen „Sternwandelweg“ bei Lemberg, nahe Pirmasens. Dort informieren zwölf großformatige Tafeln u.a. über die Bedeutung der Sternenkunde oder die Folgen der zunehmenden „Lichtverschmutzung“.

Ansprechpartner:
Für das Sternenpark-Projekt:
Anna Katharina Prim, Telefon 06325 / 9552-87, Mail:

Für die Gemeinde Rumbach:
Ortsbürgermeister Ralf Weber, Kirchdöll 1 in (76891) Rumbach, Telefon +49 (6394) 99 38 78, Mail: .

Bild 1: Am Boden muss auf jedes überflüssige Licht verzichtet werden – für den Blick auf die Sterne, aber auch im Sinne des Insektenschutzes. Außerdem spart die Kommune auf diese Weise Stromkosten.

Bild 2: Nachthimmel über dem Pfälzerwald: Auch für diesen Blick kommen Gäste nach Rumbach bei Dahn. Der Ort ist als erste „Gemeinde unter den Sternen“ zertifiziert – und das Engagement der Rumbacher für Klimaschutz und Biodiversität geht weit über das Sternenpark-Projekt hinaus.

Dr. Christian Mücksch

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