Stadt Rheinböllen: 700 Jahre – Das erste Fest der neuen Stadt

Das Bild links zeigt das kürzlich grundlegend sanierte Gemeindezentrum im Herzen von Rheinböllen. 1,1 Millionen Euro hat der Umbau gekostet, der vor wenigen Wochen abgeschlossen werden konnte. Rund die Hälfte hat das Land Rheinland-Pfalz mit Zuschüssen beigesteuert. Das Geld wurde gut angelegt.
 
Gemeindezentrum im Herzen von Rheinböllen

Die frisch sanierte Fassade wirkt ortsbildprägend und wurde unter der Regie des Rheinböllener Architekten Klaus Thomas nach historischen Vorlagen rekonstruiert. Fensterläden und Farbe inklusive. Doch nicht nur optisch hat das Gebäude gewonnen, auch energetisch ist es wieder auf dem neuesten Stand.

Das Haus, das anfangs der Gemeinde als evangelisches Schulgebäude diente, wurde zu Beginn des 20. Jahrhundert erbaut. Später wurden auch katholische Schülerinnen und Schüler hier unterrichtet – allerdings streng separiert. Noch Ende der 60er-Jahre wurde nach Konfessionen getrennt gelernt und auch gespielt. In den siebziger Jahren zog dann der damalige Ortsbürgermeister Hans Plenz in das Gebäude ein. Das Gebäude wird heute multifunktional genutzt. Neben dem neuen Gemeindebüro im Erdgeschoss befinden sich zwei große Mietwohnungen im Gebäude. Die örtlichen Vereine nutzen den „Alten Schulsaal“ regelmäßig für Tagungen und Übungsstunden. Für Familienfeiern steht neuerdings eine modere Küche zur Verfügung. Auch die Jugendlichen machen von der Einrichtung reichlich Gebrauch; im Keller befindet sich der großzügige Jugendraum der Gemeinde. Im Sitzungssaal des Obergeschosses tagt der Gemeinderat.

Aus der Geschichte


Rheinböllen feiert vom 4. bis 6. September dieses Jahres seine erste urkundliche Erwähnung vor 700 Jahren. Ein Pachtvertrag vom 1. Mai 1309 zwischen dem Burggrafen zu Böckelheim, Johann vom Stein und der Gemeinde Rheinböllen, den der Schultheiß von Rheinböllen besiegelte, belegt dieses Ereignis. Der Böckelheimer trug zwei Äcker im Bischofsfeld als Pfalzgräfliches Lehen und übertrug es der Gemeinde. Rheinböllen war damals schon Mittelpunkt des Amtes und Gericht und sogar vorübergehend auch Stadt (1316), bis Ruprecht I. 1359 Simmern erwarb und dann auch Simmern Amtssitz wurde.

Rheinböllen war Hauptort des so genannten „Alten Gerichts“, uralter Kern der pfalzgräflichen Herrschaft auf dem Hunsrück. Zu diesem Besitz dürften auch die Nachbargemeinden Ellern, Erbach (teilweise), Dichtelbach und Kleinweidelbach gezählt haben. Die Ortsgeschichte beginnt jedoch viel früher. Besiedelt war die Region Rheinböllen bereits in der Steinzeit. Arbeiter fanden kurz nach 1900 bei Erdarbeiten in der Nähe des Bahnhofs ein geschliffenes und poliertes Steinbeil als ältesten Nachweis für die Anwesenheit von Menschen. Funde im Bereich des „Altdorfes“ deuten auf keltischen Ursprung hin. Die Römer führten später eine Straße durch die Ansiedlung. Der Namensteil „Rhein“ lässt auf eine historische Abhängigkeit von Bacharach schließen, zu dessen Vogtei es wohl zählte, ehe es pfalzgräflich wurde. Der frühere Lehrer und Heimatforscher Junges hat „Bollen“ zurückgeführt auf die Begriffe „Hügel“ oder „Höhe“. Demnach könnte man Rheinböllen mit „Rheinhöhe“ übersetzen.

Schon im 12. Jahrhundert soll Rheinböllen einen Marktplatz in seinen Mauern besessen haben. Pfalzgraf Rudolf II. gewährte nachweislich zwischen 1314 und 1347 die Marktrechte. Die Tradition setzt sich bis in die heutige Zeit fort: Noch zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden Viehmärkte auf dem „Sauwasen“ (Gelände der heutigen Grundschule) abgehalten. Und ohne den jährlichen Krammarkt am Kirmesdienstag wäre die „Rheinböller Kerb“ unvollständig.

Das Gericht zu Rheinböllen bestand bereits 1359 und befand sich auf dem Gelände der heutigen Katholischen Kirche. Auf der angrenzenden „Henkersbitz“ war der Galgen errichtet.
Um 1600 gehörte Rheinböllen zur Churpfalz und zählte 48 Feuerstätten (Haushalte).

Zum Ende des Mittelalters war Rheinböllen Poststation der Strecke von Innsbruck nach Mechelen im heutigen Belgien. Spätestens seit Ende des 17. Jahrhunderts war Rheinböllen Schultheißeri zusammen mit Dichtelbach und Erbach. Kaiser Napoleon nahm nach 1794 das linke Rheinufer ein, das für zwei Jahrzehnte französisch bleiben sollte. Die Bürgermeisterei Rheinböllen wurde somit zur Mairie. 1804 besuchte der französische Kaiser höchstpersönlich den Hunsrück und junge Bürger u.a, aus Rheinböllen mussten dem Herrscher entgegen reiten.

Als in der Neujahrsnacht 1813/14 alliierte Truppen bei Kaub den Rhein überschritten, war Frankreichs Herrlichkeit in unserer Region erloschen: Das Rheinland wurde preußisch. Am besagten Neujahrstag rasteten Prinz Wilhelm und die Heerführer Blücher und Gneisenau im evangelischen Pfarrhaus – für wenige Stunden spürte das kleine Hunsrückdorf den Pulsschlag europäischer Geschichte.

Am 16. März 1945 erlebte Rheinböllen den schwärzesten Tag seiner Geschichte. Eine Handvoll SS-Männer, der zweite Weltkrieg lag in seinen letzten Zuckungen, wollte an diesem Morgen den US-amerikanischen Vormarsch aufhalten und schossen einen Panzer ab. Daraufhin wurde das Dorf gefechtsmäßig unter Feuer gesetzt. Etwa 25 Anwesen überstanden das Inferno nicht und wurden vollkommen zerstört. Von der Evangelischen Kirche blieben nur die Umfassungsmauern stehen. Der Turm der katholischen Kirche erhielt ebenfalls Treffer, überstand den Beschuss jedoch weitestgehend. Wie durch ein Wunder starb lediglich ein Bürger, aber dreißig Familien wurden an diesem Tag obdachlos.

Aufwärtstrend nach Autobahnbau


Rheinböllen hat sich in den letzten Jahrzehnten stark entwickelt. Nicht zuletzt seit dem Bau der Autobahn A 61 (das Teilstück von Rheinböllen bis zur Abfahrt Laudert wurde im Dezember 1971 dem Verkehr übergeben) hat Rheinböllen erheblich an Bedeutung gewonnen. Der vierspurige Ausbau der B 50 bringt Rheinböllen in die glückliche Lage, faktisch an zwei Autobahnen zu liegen. Noch im Jahr 1946 betrug die Einwohnerzahl 1.283. Heute ist die Hunsrückgemeinde auf rund 4.200 Einwohnerinnen und Einwohner angewachsen. Es wurde in den letzten Jahrzehnten eine Menge Geld in Infrastrukturmaßnahmen investiert.

Schulen und Kindergärten wurden gebaut. Gewerbe und Industrie konnte angesiedelt werden. Viele Menschen fanden und finden hier Wohnung und Arbeit. Rheinböllen bietet aber auch denjenigen, die außerhalb arbeiten ein intaktes Wohn- und Lebensumfeld mit zahlreichen Freizeit- und Erholungsangeboten. Ein Magnet für viele Gäste von außerhalb ist der im Wald gelegene Hochwildschutzpark mit seinen vielfältigen Angeboten.

All diese positiven Entwicklungen in den vergangenen Jahrzehnten und die Entwicklungsmöglichkeiten, welche Rheinböllen die Zukunft noch bietet, hat die Landesregierung letztlich dazu bewogen Rheinböllen die Bezeichnung „Stadt Rheinböllen“ zu verleihen. Am 5. September 2009 ist es soweit. Ministerpräsident Kurt Beck selbst wird die Urkunde im Rahmen der 700-Jahr-Feier überreichen.

Siggi Herrmann, Ortsbürgermeister der Gemeinde Rheinböllen

Quelle der historischen Daten: Artikel von Dieter Diether für Festschrift der Ortsgemeinde Rheinböllen für die 700-Jahr-Feier vom 4. bis 6. September 2009

Weitere Informationen: www.rheinboellen.de


Beitrag aus Gemeinde und Stadt 06/2009

 

 

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