Der Wald als Ökosystemdienstleister

Die Funktionen von Wäldern werden in der Regel in der Sicht von außen sehr stark verkürzt. Ihre ökonomische Bewertung beschränkt sich auf die Holzerzeugung und dessen Verkauf sowie in Rheinland-Pfalz als dem Land mit der höchsten Dichte an Windkraftanlagen im Wald auf die daraus erzielbaren Einnahmen. Ihre ökologische Bewertung findet nur begrenzt unter dem Naturschutzgesichtspunkt statt.

 

Diese sehr verkürzte Sichtweise spiegelt die Diskussion um die Funktion der Wälder wider. In den Extremen betrachten die einen den Wald alleine unter wirtschaftlichen Aspekten als den Ort, in dem die Holzvorräte für die Zukunft gesichert werden sollen – die anderen als den Ort, in dem für die Zukunft in großen Teilen Biodiversität sichergestellt werden muss.

Beide Leistungen erbringt der Wald zwar; ihn aber auf diese beiden Leistungen zu reduzieren, unterschlägt in der öffentlichen Diskussion eine Riesenbandbreite von Produkten und Dienstleistungen, die der Wald wie selbstverständlich für die Gesellschaft erbringt und die man als immateriell zu bezeichnende und täglich genutzte Waldleistungen in der Diskussion um die Bedeutung des Waldes überhaupt nicht in Wert setzt.

Das Ökosystem Wald bietet der Gesellschaft und allen Gruppierungen eine Vielzahl von Dienstleistungen, die insbesondere in der Politik wie selbstverständlich hingenommen werden und in der Betrachtung der Gesellschaft quasi kostenfrei zur Verfügung stehen.

Ich gebe zu, dass eine solche Diskussion von denjenigen, die diesen Wald hegen und pflegen, und die in ihm selbstverständlich auch ihre finanzielle Lebensgrundlage sehen, in der Außendarstellung nicht ausreichend deutlich geführt wird.

Deswegen möchte ich nur auf einige ausgewählte Aspekte dieser Ökosystem-Dienstleistungen hinweisen, die der Wald erbringt und dessen Inwert-Setzung wir dringend vornehmen müssen, und zwar sowohl nach innen, also in den forstwirtschaftlichen Bereich selbst, als auch nach außen, also in Politik und Gesellschaft.

  • Der Wald dient selbstverständlich der Holznutzung und der Bevorratung der Holzmengen für die Zukunft. Er ist aber gleichzeitig sowohl durch ausgewiesene Wasserschutzgebiete im Wald als auch bei der Nutzung der sonstigen Waldflächen der größte Wasserschutz, insbesondere im Bereich der Nitratfilterung, und vermindert somit wesentliche Kosten bei der Bereitstellung von Trinkwasser. Gleichzeitig dient er der Wasserretention als Rückhalt insbesondere bei Starkniederschlägen. Er ist insbesondere in Hanglagen ein besonderer Erosionsschutz.
  • Die Senkenleistung des Waldes bei der CO2-Absorption ist ebenso unbestritten wie die Sauerstoffproduktion des Waldes.
  • Der Wald hat zudem eine hohe Lärmschutzfunktion und ist gleichzeitig durch die Aufnahme von Feinstaub ein Staubfilter und sorgt für die Erhöhung der allgemeinen Luftfeuchte.
  • Unbestritten sind seine Wirkungen im kleinklimatischen Bereich auf landwirtschaftliche Flächen und seine Wertbeeinflussung im Umfeld für den Siedlungswert.
  • Damit verbunden ist sein Erholungswert, der noch durch entsprechende Einrichtungen zur Erholungsfunktion im Wald gesteigert wird.
  • Völlig außer Acht bleibt in der öffentlichen Diskussion der gesundheitsfördernde Aspekt des Waldes und seine präventiven Wirkungen bis hinein in den Bereich psychischer Krankheiten.
  • Heftig diskutiert wird in der Öffentlichkeit der Teil der Dienstleistungsfunktionen des Artenschutzes und der Biodiversität und der damit verbundenen Schutzfunktion, die der Wald für Fauna und Flora übernimmt, und dadurch gleichzeitig kulturelle Eigenschaften für die Gesellschaft entwickelt.
  • Wenn man diese beeindruckende, nicht abschließend dargestellte Liste der Dienstleistungsfunktionen vor Augen hat, dann ist der Verkauf von Wildbret oder die Erzeugung von Brennholz der kleinste Teil der Leistungen, die als Ökosystemleistungen vom Wald mit erbracht werden. Dass gleichzeitig in Rheinland-Pfalz Windkraft im Walde ein weiterer in Wert gesetzter Bereich auch für die Kommunen ist, stellt dabei keine überragende, aber eine anteilig überschaubare Größe dar.


Wenn wir aber den Wald in der Vielfalt seiner Ökosystemleistungen anders als bisher betrachtet haben wollen, dann müssen wir im Forstbereich bereit sein, von den immer wieder beschränkten Diskussionen auf einen kleinen Teil dieser Leistungen wegzukommen und deutlich zu machen, dass wir alle Ökosystemleistungen des Waldes bewertet sehen wollen. Dies ist gerade im kommunalen Bereich aus meiner Sicht ein deutlicher Hinweis darauf, welche Bedeutung der Kommunalwald in Zukunft für die Ortsgemeinden und Städte und ihre Einwohner tatsächlich hat und dass dies durch Inwert-Setzung nicht nur finanziell, sondern endlich auch gesellschaftlich und in der politischen Diskussion anerkannt wird.


GStB-Kommentar aus Gemeinde und Stadt 6/2016
Winfried Manns
Geschäftsführendes
Vorstandsmitglied des
Gemeinde- und Städtebundes

 

 

Zeitungsstapel (Typical der Rubrik "Info-Dienste")

 

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