Bundeskommunalwald-Kongress 2011; Ohne Wald keine Energiewende

Bürgermeister fordern neuen Typ „Nationalpark“ - Schutz mit Holznutzung verbinden statt Einschränkung der Forstwirtschaft in den Wäldern.
 
Die Wälder in Deutschland sollen vom Standort für Windräder über die Nutzung des Rohstoffes Holzes bis hin zur Erzeugung von Bioenergie eine tragende Rolle bei der Energiewende spielen, fordern Bürgermeister Wald besitzender Kommunen aus ganz
Deutschland.

Erforderlich ist ein Umdenken und eine neue „Vorwärtsstrategie“ in der nationalen Waldpolitik. Statt immer mehr Wälder stillzulegen und neue Nationalparke auszuweisen, in denen die Holznutzung Tabu ist, schlagen sie jetzt einen neuen Typ „Nationalpark“ vor. Sie fordern eine Erweiterung des gesetzlichen Nationalparkbegriffes dahingehend, dass - anders als bisher- zukünftig auch in Nationalparken eine naturverträgliche und umweltschonende Forstwirtschaft zugelassen wird, damit diese Wälder ihren wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten.

Im Rahmen einer naturnahen Waldbewirtschaftung können die meisten ökologischen Ziele flächendeckend erreicht werden, so der Vorsitzende des Gemeinsamen Forstausschusses „Deutscher Kommunalwald“, Verbandsdirektor Winfried Manns (Mainz) anlässlich des  Bundeskommunalwald-Kongresses 2011 in Koblenz-Lahnstein.

Auf dieser Tagung diskutierten vor dem Hintergrund der Atomkatastrophe in Japan und der beschlossenen Energiewende rd. 200 Vertreter des Kommunalwaldes mit Fachexperten über die Frage „Welchen Wald braucht Deutschland in der Zukunft?“

Waldstilllegung schadet Energiewende


Ohne die forstliche Nutzung des Waldes drohe die Energiewende zu scheitern. Der von der EU, Teilen der Politik und des Umwelt- und Naturschutzes geforderte Totalschutz und „Null-Nutzung“ großer Waldgebiete schade dem Ziel, Deutschland soweit wie möglich von fossiler
Energie abzukoppeln. So habe auch die EU-Kommission bereits in ihrem Grünbuch zum Waldschutz festgestellt, dass langfristig eine nachhaltige Waldbewirtschaftung zur Erhaltung oder Verbesserung der CO2-Speicherkapazität der Wälder und eine nachhaltige Produktion
von Nutzholz, Holzwerkstoffen und Brennholz den größten Beitrag zum Klimaschutz leisten. Ideologisch und politisch motivierte pauschale Stilllegungen der heimischen Wälder seien somit weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll.

Natur- und Klimaschutz durch Waldnutzung


In Deutschland müsse wieder ein Gefühl dafür entstehen, dass in den Wäldern hohe Werte wachsen, deren Nutzung zur Wertschöpfung beitrage und gleichzeitig der Naturschutz hiervon profitiere. So habe die traditionelle, weltweit vorbildliche deutsche Forstwirtschaft die heutigen wertvollen Waldökosysteme geschaffen, über die der Naturschutz nun vielerorts eine Käseglocke stülpen wolle.

In Zeiten knapper Energie- und auch Geldressourcen und der Verschuldung öffentlicher Haushalte ständen zudem zukünftig immer weniger Transferleistungen zum Schutz und der Weiterentwicklung der Wälder zur Verfügung. Umso mehr seien die Forstbetriebe auf Einnahmen aus dem Holzverkauf angewiesen, um überhaupt noch Naturschutzmaßnahmen im Walde finanzieren zu können. Warum die Gelder für den Naturschutz also nicht durch die schonende, naturverträgliche Nutzung des Waldes verdienen?

Hier setzten die kommunalen Vertreter auch wieder mehr auf die über Jahrhunderte gewachsene Innovationskraft der Forstwirtschaft. Dieser grünen Fachkompetenz könne anvertraut werden, neue Waldstrategien in Zeiten knapper Kassen nicht nur fachlich,  sondern auch unter finanziellen und betriebswirtschaftlichen Aspekten intelligent zu lösen.

Internationale Verantwortung Deutschlands


Der Verzicht auf den wichtigen Rohstofflieferanten Wald sei auch mit Blick auf die internationale Verantwortung Deutschlands und der prognostizierten Holzlücke problematisch. EU-weit zeichne sich bereits heute bis zum Jahr 2020 eine Unterversorgung bis zu 400 Millionen, in Deutschland bis zu 20 Millionen Kubikmeter Holz ab. Das Holz, das die Waldbesitzer im Rahmen der schonenden Pflege ihrer Wälder nicht mehr nutzen dürften, müsste dann in anderen Ländern mit oftmals katastrophalen Folgen für die Umwelt und das Klima eingeschlagen werden. Mit einer stärkeren Nutzung der heimischen Wälder könnten
die Waldbesitzer einen aktiven Beitrag zur Entlastung der Wälder in anderen Teilen der Welt leisten, wo nachhaltige Waldbewirtschaftung nicht immer sichergestellt sei.

Energiewende: Waldbesitzer mit ins Boot nehmen


Manns: „Die Forstwirtschaft in Deutschland hat unter Beweis gestellt, dass nachhaltige Holznutzung und Umweltschutz kein Widerspruch sind, sondern eine Symbiose. Deshalb darf die Energiewende am Wald, der mit Abstand stärksten Ressource als nachwachsende Rohstoff-und Energiequelle, nicht enden. In Deutschland werden deshalb umweltbewusste Kommunen auch zukünftig bei kommunalen Bauprojekten und der Energieerzeugung auf Holz setzen. Damit wollen die rund 11.500 Wald besitzenden Städte und Gemeinden ihren wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, zur Versorgungssicherheit, zur lokalen Wertschöpfung und Beschäftigung und insbesondere zur Stärkung des ländlichen Raumes leisten.“ Es würde der Politik und dem Wald Schaden zufügen, die Waldbesitzer jetzt als Akteure und Träger der Energiewende nicht mit ins Boot zu nehmen.“

Was die neue „Vorwärtsstrategie“ für den Wald und den Dialog mit der Naturschutzseite anbelange, sei der Kommunalwald zuversichtlich. Gemeinsam mit dem NABU habe man bereits ein Projekt „Zukunftsfähiger Kommunalwald“ auf den Weg gebracht. Hier werde man sich in Fachgespräche den aktuellen Herausforderungen stellen und innovative Lösungen entwickeln.

>>> Pressemitteilung DStGB: Ohne Wald keine Energiewende


Fakten zum Kommunalwald in Rheinland-Pfalz


  1. In Rheinland-Pfalz nimmt der Wald eine Fläche von ca. 835.000 Hektar ein. Bezogen auf die gesamte Landesfläche sind dies ca. 42 %. Damit steht Rheinland-Pfalz an der Spitze aller Bundesländer. Der Waldflächenanteil in der Bundesrepublik Deutschland liegt bei 31 %. Auf jeden rheinland-pfälzischen Bürger entfallen rechnerisch 0,21 Hektar Wald. 
  2. Rheinland-Pfalz weist hinsichtlich der Waldeigentumsarten unter allen Bundesländern eine Besonderheit auf: Fast die Hälfte der Waldfläche  (48 %, ca. 400.000 Hektar) stehen im Eigentum von Gemeinden und Städten.
    Der Anteil des Staatswaldes liegt bei 24 %, der des Privatwaldes bei 26 % der Waldfläche im Land.  2% sind Bundeswald.
  3. Fast 2.000 der ca. 2.300 Gemeinden und Städte in Rheinland-Pfalz besitzen Waldflächen. Deren Größe schwankt zwischen 1 Hektar und 4.800 Hektar. Die Durchschnittsgröße des kommunalen Forstbetriebs liegt bei (lediglich) 200 Hektar Waldfläche.
    Die Schwerpunkte des Kommunalwaldes sind im Nordteil des Landes zu finden. 
  4. Der Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz ist nicht nur kommunaler Spitzenverband, sondern auch der kommunale Waldbesitzerverband des Landes Rheinland-Pfalz. Er vertritt die Gesamtheit der waldbesitzenden Gemeinden und Städte gegenüber dem Landtag und der Landesregierung, aber auch auf Bundes- und Europaebene.
    Seit vielen Jahrzehnten ist ein Forstreferat Bestandteil der Geschäftsstelle des Gemeinde- und Städtebundes.

>>> Pressemitteilung GStB: Fakten zum Kommunalwald in Rheinland-Pfalz


Weitere Informationen


Ute Kreienmeier
Referatsleiterin Kommunalwald, DStGB
Tel.: 0228-9596227

Dr. Stefan Schaefer
Forst- und Pressereferent, GStB
Tel.: 06131-2398124
Handy: 0172-8466976


Pressemitteilung DStGB und GStB vom 13. September 2011
 

 

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