Ortsgemeinde Nierstein: Erprobt im Umgang mit Gästen

Gewiss wird niemand behaupten, die Ortsgemeinde Nierstein sei weithin unbekannt und bedürfe deshalb eines Großereignisses, um auf sich aufmerksam zu machen. Nierstein am Rhein, zusammen mit der Nachbargemeinde Oppenheim Namensgeberin für die Verbandsgemeinde, hat sich auf verschiedenen Ebenen einen hervorragenden Ruf erworben.
 
Blick auf Nierstein am RheinAn erster Stelle ist natürlich der weltberühmte Wein zu nennen, dann die einzigartige Landschaft des auenartigen Rheintales unterhalb von Mainz und eine weit zurück reichende Ortsgeschichte. Im kommenden Jahr gibt es trotzdem ein Großereignis, Nierstein ist Mit-Gastgeber des Rheinland-Pfalz-Tages 2004. Erstmals findet das Landesfest in einer Kommune dieser Größenordnung statt.

Die rund 8000 Einwohnerinnen und Einwohner von Nierstein freuen sich darauf. Gäste sind sie natürlich gewöhnt, denn in einer Weinregion ersten Ranges ist man in jedem Jahr und das ganze Jahr über auf Besucher eingestellt. So weit die Niersteiner nicht von Wein und Fremdenverkehr leben, finden sie ihre Arbeitsplätze in den nah gelegenen Städten Mainz. Worms und Darmstadt, der ganze Ballungsraum Rhein-Main liegt nicht weit vor der Haustür. Erschlossen ist Nierstein gleich auf drei Wegen: durch die Deutsche Bahn (Nahverkehr), über die Straße mit den Bundesstraßen 9 (Rheintal) und 420 (Bad Kreuznach - Darmstadt) sowie auf dem Wasser über die Autofähre in Richtung Darmstadt. Der Bahnhof Nierstein, vor wenigen Jahren im Vorplatzbereich neu gestaltet, ist wichtiger Verknüpfungspunkt mit dem regionalen Busverkehr. Zudem verlaufen die Autobahnen 61 und 60 in der Nähe. Es versteht sich von selbst, dass die Aspekte der guten Anbindung und der attraktiven Landschaft Nierstein zu einer begehrten Wohngemeinde machen, was sich ja auch an der für eine Ortsgemeinde stattlichen Einwohnerzahl zeigt. Nierstein ist die am stärksten wachsende Gemeinde zwischen Mainz und Worms. Grundschule und Realschule sind vor Ort, weitere Schulen in Oppenheim. Die Versorgung mit Kindergärten ist sehr gut, eine Gemeindebücherei lädt ein, Kirchengemeinden und Vereine sorgen unter anderem für ein gutes Freizeit- und Bildungsangebot, der Einzelhandel und Dienstleister aller Art stehen für ein ansprechendes Angebot in diesen Bereichen.

Das Kapital von Nierstein ist natürlich der Wein. Die Winzer suchen den Kontakt mit den Gästen, nicht nur bei den Tagen der offenen Weinkeller, an den Winzerfesten (das große Weinfest geht am ersten August-Wochenende über die Bühne) oder an der Weinpräsentation am Roten Hang, bei der sich alles um die dort wachsenden Spitzenweine dreht. Viele haben neben dem reichen Winzerbetrieb auch Fremdenzimmer und bieten so die ideale Verbindung von Weinprobe und Quartier. Gehobene Gastronomie, oft in Verbindung mit dem heimischen Wein, ist überhaupt eine Spezialität von Nierstein. Gleichwohl sorgt die Atmosphäre im Ort dafür, dass es nicht bei reiner Weinseligkeit bleibt. Die Geschichte von Nierstein und des Ortsteile Schwabsburg ist so reichhaltig und an Gebäuden und anderen Denkmälern für den Besucher nachvollziehbar, dass der Besuch auch dadurch zum besonderen Erlebnis wird, verstärkt noch durch die einmalig schöne Lage am Rhein. Seine Kenntnisse vertiefen kann der interessierte Besucher bei einem Rundgang durch die beiden außergewöhnlichen Museen, das Paläontologische Museum und das Schiffahrtsmuseum. Der Niersteiner Kultursommer bietet zwischen März und Oktober ein reichhaltiges Programm.

Nichts belegt die exquisite Lage des Ortes mehr als die Tatsache, dass schon die Römer den Platz schätzten und dort ein Bad errichteten, fussend auf einer Schwefelquelle, die übrigens im 19. Jahrhundert wieder entdeckt wurde. Die erste urkundliche Erwähnung datiert allerdings aus dem Jahr 1196 und spricht von der Stadt (Civitas) Nierstein. Im Mittelalter war Nierstein nämlich eine bedeutendes Verwaltungszentrum. Der Sitz eines Königshofes - mehrere Könige regierten zeitweise von Nierstein aus, wie Urkunden belegen - , der Sitz eines geistlichen Gerichtes sowie eines sogenannten Rittergerichtes gaben dem Ort Gewicht. Bei dem Rittergericht handelte es sich übrigens um eine frühe Form der Selbstverwaltung, die 14 Schöffen hatten weit gehende Befugnisse, vor allem bei der Festlegung der Steuern.

Orte am Fluss sind strategisch wichtig, weshalb sie zwar an Bedeutung gewinnen, aber auch gefährdet sind. Die strategische Bedeutung von Nierstein lag in der Kreuzung zweier großer Wege und das am Strom, der Hauptverkehrsader früherer Jahrhunderte.

Allerdings blieb Nierstein als reichsangehöriges Land von großen Zerstörungen in seiner Geschichte verschont. Die Martinskirche stammt in ihren baulichen Ursprüngen aus dem 12. Jahrhundert, die ältesten erhaltenen Profanbauten datieren aus dem 14. (Fronhof) und 16. Jahrhundert (am mittelalterlichen Marktplatz), noch mehr denkmalgeschützte Gebäude sind aus dem 18. und 19. Jahrhundert erhalten. Das Rathaus ist ein Bau von 1783, das seinerzeit einen Vorgängerbau an gleicher Stelle ersetzt hatte.

Im Ortsteil Schwabsburg wartet die bedeutende Burg gleichen Namens auf den Besucher. Eine ehemalige Reichsburg, im 12. Jahrhundert von den Staufern zum Schutz des Reichslandes um Nierstein und Oppenheim erbaut. Die Zerstörung durch spanische Truppen im Jahre 1621 überstand nur der Bergfried, die Burg blieb von da an Ruine und wurde 1799 durch Abbruch weiter reduziert.

Am Rheinland-Pfalz 2004 wird von all dem hören und sehen, die Niersteiner werden sich zusammen mit ihren als gute und erprobte Gastgeber bewähren.

Weitere Informationen: www.nierstein.de


Beitrag aus Gemeinde und Stadt 06/2003
 

 

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