Ortsgemeinde Rohrbach: Tradition pflegen, Perspektiven entwickeln

Zwei Seiten einer Gemeinde: Einerseits eine lange, möglicherweise bis zur Römerzeit zurückreichende Historie eines von Weinbau und Landwirtschaft geprägten Ortes; andererseits ein Dorf mit Perspektiven, das 2015 in Rheinland-Pfalz zu den 23 Gewinnern des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ gehörte. Das ist Rohrbach in der Pfalz (Verbandsgemeinde Herxheim).

 

„Dialog – Begegnung“ – eine Skulptur des Bildhauers Volker Krebs steht vor dem Rathaus von Rohrbach. Foto: Ortsgemeinde RohrbachAugenscheinlich werden die größten baulichen Veränderungen bei einem Rundgang: Der im letzten Jahr eingeweihte öffentliche Axamer Platz beim erweiterten Kindergarten ist der österreichischen Partnergemeinde gleichen Namens (Axams/Tirol) gewidmet. Er erschließt den jenseits des Dorfbachs gelegenen naturnahen Spielpatz mit einer neuen Brücke. Das Rohrbacher Dorfgemeinschaftshaus – seit seiner Errichtung im Jahre 1977 Mittelpunkt des kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Lebens der Ortsgemeinde – wurde vor wenigen Jahren umfangreich energetisch modernisiert und sichtbar erweitert. Seit der feierlichen Eröffnung im Herbst 2013 tagen hier nicht nur die kommunalen Gremien, es ermöglicht auch den Vereinen, ein vielseitiges kulturelles Veranstaltungsangebot auf die Beine zu stellen. Es dient zudem als Sportstätte einiger Vereine, wie dem Gymnastikverein oder dem Tischtennisclub, und die benachbarte, betreute Grundschule „Am Mandelbaum“ und das Pamina-Studienseminar nutzen es für vielerlei Zwecke. Die Landjugend hat darin einen passenden Raum gefunden, ebenso der Jugendtreff und die Dorfbücherei. Das modernisierte, nun barrierefreie Dorfgemeinschaftshaus – konzeptioniert, um Jung und Alt unter einem Dach zusammenzubringen – ist eindeutig die wichtigste und nun auch eine zeitgemäße Begegnungs- und Kommunikationsstätte für die etwa 1800 Bürger von Rohrbach.


Fast vollständig bebaut ist nun auch ein lange erwartetes Neubaugebiet an der Südseite der Südpfalzgemeinde. Ähnliches gilt für ein prosperierendes Gewerbe- und Industriegebiet an der Ostgrenze der Gemeinde, an dem 500 sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse bestehen. An die Ahlmühle zieht es die Firmen – genannt seien die Efco Creative GmbH, die Reline Europe AG und die Eichenlaub Logistik GmbH – auch aus logistischen Gründen: Es gibt nach zwei Kilometern einen Autobahnanschluss und vor Ort einen Bahnhof. Das denkmalgeschützte Gebäude restauriert derzeit ein Investor. Ab Herbst wird es Büros für Kreative und eine Gaststätte mit kulturellem Programm beherbergen.


Standortvorteil aus Verkehrsanbindung


Auch alteingesessene Rohrbacher und Neubürger verbuchen die verkehrsgünstige Lage als Standortvorteil. Sie nutzen zudem eine passable Infrastruktur, zu der unter anderem eine Bäckerei und eine Metzgerei, neun Weingüter, Banken und ein Ärztehaus mit Apotheke gehören. Voraussichtlich in 2017 wird es in einem Fachmarktzentrum auch wieder einen Lebensmittelmarkt am Ort geben.


Die Gemeinde fühlt sich den Klimaschutzzielen verpflichtet. Daher begleitet seit zwei Jahren eine energieeffiziente LED-Straßenbeleuchtung den abendlichen Dorfrundgang. Am Ort finden sich nach der Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz 25 Kulturdenkmäler. Es lohnt sich ein Blick in die Kirche, ein Spaziergang durch die von Fachwerkhäusern geprägte Hintergasse oder auch ein Besuch des Dorfmuseums „Pfiesterhaus“ (geöffnet am ersten Sonntag im Monat). Der Förderverein Pfiesterhaus widmet alljährlich ein Fest einem an die Ortsgeschichte anknüpfenden historischen Thema. So wird es in diesem Jahr um die Rohrbacher Töpfertradition gehen.


Ein Ergebnis der Dorfmoderation ist ein beschilderter historischer Rundgang durch die erstmals im Jahr 774 urkundlich erwähnte, möglicherweise aber viel ältere Gemeinde. Gäste, die bei acht professionellen Anbietern von Ferienwohnungen und Gästezimmern teilweise auf Weingütern oder in einer alten Schlossmühle unterkommen, nutzen die Rohrbach umgebende Wein-, Wald- und Wiesenlandschaft für kürzere oder auch längere Spaziergänge. Schon nach wenigen Gehminuten ist man mitten in der Natur.


Es versteht sich von selbst, dass durch den Weinanbau auch das Festgeschehen rund um den Wein in der zur Verbandsgemeinde Herxheim zählenden Gemeinde eine tragende Rolle spielt. Alljährlich feiert Rohrbach am zweiten Wochenende im Juni sein bestens besuchtes Weinfest in den Bauern- und Winzerhöfen und im Herbst seine „Wurschtzippel Kerwe“ auf dem bis dahin neu gestalteten Platz beim Dorfgemeinschaftshaus. Beim Rohrbacher „Wine Walk“ wird eine Weinprobe mit Literatur und Musik geboten. Die Landjugend lädt ebenfalls im Herbst zum „Herbstleuchten“ in ein altes Fachwerkhaus ein. Der gemeinnützige Verein „Rohrbach tut gut“ veranstaltet am zweiten Adventswochenende den stimmungsvollen „Zimtzauber“ in einem landwirtschaftlichen Anwesen.


Dies ist nicht das einzige bürgerschaftliche Projekt. Aus der Dorfmoderation entstanden viele weitere: Man engagiert sich in einer ehrenamtlichen Bürgerhilfe, bei einer Pflanzentauschbörse, einem Wildpflanzenlehrpfad, bei einem „Dreck-weg-Tag“ oder in einem Bürgergarten. Auch gibt es eine Seniorenstube und ein Generationencafé.
Traditionell gestalten auch die zwei Dutzend Vereine das Dorfleben. So lädt die Spielvereinigung Anfang Januar zum Knutfest ein. Auch Schlachtfeste haben bei mehreren Vereinen Tradition. Die Landfrauen bieten ein umfängliches Jahresprogramm, die Landjugend organisiert das „Ostereiersuchen“, der Verein „Rohrbach tut gut“ Konzerte an der Schlossmühle. Die Ortsgemeinde, die im Übrigen schon in der Silvesternacht zum Neujahrsempfang einlädt, fasst ihr kulturelles Angebot unter dem Begriff „Rohrbacher Kulturzeiten“ zusammen, zu denen unter anderem ein „Buchwinter“ gehört.


Weitere Informationen: www.rohrbach-pfalz.de


Autor: Thomas Köhr


Beitrag aus Gemeinde und Stadt 03/2016

 

 

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