Ortsgemeinde Rodalben: nachhaltiger Tourismus hilft beim Wandel

Im Süden von Rheinland-Pfalz, im Biosphärenreservat Naturpark Pfälzerwald, liegt die Verbandsgemeinde Rodalben. Sie gehört zum Landkreis Südwestpfalz und umfasst neben der Stadt Rodalben die Ortsgemeinden Clausen, Donsieders, Leimen, Merzalben und Münchweiler/Rodalb.
 
Das Wahrzeichen der Ortsgemeinde Rodalben ist der Bruderfelsen. Foto: Kuntz-VerlagMit rund 16.000 Einwohnern ist sie eine der größeren Verbandsgemeinden in der Südwestpfalz. Das Verbandsgemeindegebiet umfasst insgesamt 12.340 ha.

Die Verbandsgemeinde hat in Rodalben eine Regionale Schule errichtet, Grundschulen befinden sich noch in allen Ortsgemeinden. In Rodalben selbst ist noch eine Sonderschule und die Berufsbildende Schule des Landkreises Südwestpfalz vorhanden Alle weiterführenden Schulen sind in der nahen kreisfreien Stadt Pirmasens. Das St. Elisabeth-Krankenhaus in Rodalben und Arztpraxen in den verbandsangehörigen Gemeinden gewährleisten eine gute ärztliche Versorgung der Bevölkerung. Zur Erweiterung des Angebotes im öffentlichen Personennahverkehr hat die Verbandsgemeinde zusammen mit dem Landkreis Südwestpfalz einen Anrufsammelverkehr eingerichtet, der auch an den Wochenenden bis spät nachts verkehrt. Über 200 Vereine, Organisationen und Verbänden zeugen von einem regen kulturellen, sportlichen und gesellschaftlichen Leben.

Die verkehrsmäßige Erschließung kann als zufrieden stellend bezeichnet werden. Straßenverbindungen bestehen aus Richtung Karlsruhe über die B 10, die derzeit vierspurig ausgebaut wird und aus Richtung Kaiserslautern über die B 270. Ans Schienennetz ist die Verbandsgemeinde durch die Bahnhöfe in Münchweiler/Rodalb und Rodalben angebunden.

Gestern


Im Zuge der Verwaltungsreform hat sich die Verbandsgemeinde Rodalben am 1. Dezember 1971 als einzige Verbandsgemeinde im damaligen Kreis Pirmasens auf freiwilliger Basis gebildet. Hier spiegelt sich die Duplizität der Ereignisse wider: Wie im 15. Jahrhundert haben sich jetzt fast dieselben Gemeinden freiwillig zusammengeschlossen, die damals unter der Herrschaft der Markgrafen von Baden schon gemeinsam verwaltet wurden.

Die ersten urkundlichen Erwähnungen reichen ins 12. Jahrhundert zurück. Bereits um das Jahr 1360 wurde in dem verhältnismäßig armen Dorf Rodalben die erste Pfarrkirche errichtet, von der heute noch der Turm und der sog. „Alte Chor“ vorhanden sind. Im selben Jahr wurde auch in Merzalben von Benediktinermönchen die erste Kirche erbaut, die nach Umbau und Renovierung im Jahre 1769 heute noch erhalten ist. Mit Ausnahme der Gemeinde Donsieders gehörten alle Gemeinden zum Amt Gräfenstein. Die Verwaltung erfolgte von der Burg Gräfenstein bei Merzalben.

Nach einer wechselvollen Geschichte und der Zerstörung der Burg im Jahre 1635 wurde um 1700 der Amtssitz nach Rodalben verlegt.

Die Gemeinde Donsieders gehörte zur damaligen Zeit zur hessen-darmstädtischen Herrschaft Lemberg, ebenso wie der links der Rodalb gelegene Ortsteil von Münchweiler. Die durch den Ort fließende Rodalb bildete einst die Grenze zwischen dem Gräfensteiner Amt auf der rechten und dem Amt Lemberg auf der linken Seite. Nach der französischen Revolution wurde das gesamte Gebiet Frankreich angegliedert und dem Departement Donnersberg zugeteilt. Damit entfielen die Grenzen und die getrennte Zugehörigkeit.

In dieser Zeit lebten die Bewohner des Gräfensteiner Landes in erster Linie von der Land- und Forstwirtschaft. Vereinzelt wurde auch Glasbläserei betrieben. Aufgrund karger Böden konnte jedoch kein echter Wohlstand aufkommen. Viele Bewohner wanderten wegen Arbeitsmangels nach Paris aus oder suchten sich in Amerika eine neue Heimat. Erst der Bau der heutigen Bundesstraße 10 im Jahre 1837 und die Errichtung der Eisenbahnlinie Landau – Zweibrücken von 1872 – 1875 brachten eine bessere verkehrsmäßige Erschließung und damit wirtschaftlichen Aufschwung. In dieser Zeit wurden in Pirmasens die ersten Schuhfabriken gebaut, die auch Arbeiter aus der Umgebung beschäftigten.

Um das Jahr 1885 entstanden aus kleinen Anfängen auch in den Orten des Gräfensteiner Landes Schuhfabriken und Zuliefererbetriebe, die sich kontinuierlich fortentwickelten und das Wesen und die Entwicklung der Orte nachhaltig prägten. Neben der dominierenden Schuhindustrie haben sich auch andere Gewerbezweige gebildet und somit zur Umwandlung von ehemals land- und forstwirtschaftlich geprägten Walddörfern zu den heutigen modernen Gemeinden beigetragen.
Der Niedergang der Schuhindustrie und der Abzug der amerikanischen Stationierungsstreit-kräfte haben in der Westpfalz und insbesondere im Raum Pirmasens große Strukturprobleme heraufbeschworen.

Heute


Heute ist die Verbandsgemeinde ein modernes Gemeinwesen, das sich um wirtschaftlichen Ausgleich durch einen nachhaltigen und umweltverträglichen Tourismus bemüht. Insbesondere bei Wanderfreunden ist die Gegend sehr beliebt. Mit dem 46 Kilometer langen Rodalber Felsenwanderweg, dem ersten von Deutschen Wanderverband zertifizierten „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ in der Pfalz, wurde ein Wanderweg der Spitzenklasse geschaffen, der mittlerweile in ganz Deutschland bekannt ist. Der Gräfensteiner Radwanderweg verbindet alle Orte des Gräfensteiner Landes und führt auch an dem Wahrzeichen der Verbandsgemeinde, der Burgruine Gräfenstein, vorbei. Die Burgruine ist ein Juwel aus der Stauferzeit und eine der am besten erhalten Burgruine in der Pfalz. Der siebeneckige Bergfried ist in dieser Form einzigartig in Deutschland. Gemeinsam mit vier weiteren Verbandsgemeinden wurde die Arbeits- und Werbegemeinschaft Zentrum Pfälzerwald Touristik gebildet und ein weiteres touristisches Standbein mit dem Mountainbikepark Pfälzerwand geschaffen. Der Mountainbikepark umfasst fünf Einzelstrecken, die in Form einer 8 nach Johanniskreuz zum Haus der Nachhaltigkeit führen. Die Nordic Walking Parcours in Rodalben und Leimen runden das Angebot für aktive Erholung und Natursport sinnvoll ab.

Abschließend lässt sich feststellen, dass es sich trotz aller Strukturprobleme lohnt in der Verbandsgemeinde Rodalben zu leben.

Weitere Informationen: www.rodalben.de


Beitrag aus Gemeinde und Stadt 07/2008

 

 

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