Stadt Hagenbach: Stadtrechte als Zeugnis guter Entwicklung

Optimismus und Glaube an die Macht der eigenen Geschichte bescheren dem südpfälzischen Hagenbach in der gleichnamigen Verbandsgemeinde „wieder“ die - eigentlich nie verlorenen - Stadtrechte.
 
Stadt HagenbachIm Dezember 2005 kam als vorzeitiges Weihnachtsgeschenk die Entscheidung der Staatskanzlei, dass Hagenbach seine Stadtrechte wieder erhalten wird. Gründe für diese Entscheidung waren aber nicht Ansprüche aus der Geschichte Hagenbachs resultierend, sondern die positive Entwicklung des Ortes, die großzügige Infrastruktur und die Zukunftsperspektiven. Zur feierlichen Verleihung kam ins 1998 eingeweihte Kulturzentrum der Ministerpräsident Kurt Beck. Die Veranstaltung wurde von zahlreichen örtlichen Vereinen (Musik- und Gesangvereine, Fanfarenzug) feierlich umrahmt.

Im Juli 2006 werden dann die Bürger von Hagenbach ein rauschendes Fest unter dem Motto „alte Stadt im neuen Glanz“ feiern, wobei auch eine große Zahl von Besuchern aus nah und fern zum Mitfeiern erwartet wird.

Der ursprüngliche „Zündfunke“, diesen Titel wieder zu erlangen, war in der Gemeinde mit fast 6000 Einwohnern die Erstellung der Ortschronik durch den Bürgermeister a.D. Hermann Dreizehnter 1998. Bei seinen Recherchen zur Entwicklung des Ortes wurde er in der mittelalterlichen Geschichte „fündig“. In der „Wormser Erklärung“ vom November 1281 lässt König Rudolf von Habsburg wissen, dass die den Bürgern von Hagenbach erteilten Stadtrechte dem Kloster Weißenburg nicht zu großen Nachteilen gereichen dürften. Das eigentliche Stadtrechtsprivileg gilt zwar bis heute als verloren, doch diese Verleihung wird wohl kurz zuvor stattgefunden haben, da ansonsten die Weißenburger schon früher ihre Recht angemahnt hätten, mutmaßt Dreizehnter.

Nun ist seitdem „viel Wasser den Rhein hinuntergeflossen“, und in der späteren Geschichte verlor Hagenbach während der französischen Revolution und der Napoleonischen Herrschaft (1799 bis 1815) seinen Status als Verwaltungssitz des Unteramtes. Nie konkret beseitigt oder abgesprochen waren aber diese Stadtrechte; sie sind einfach sang- und klanglos ausgelaufen. Die Menschen waren in der wechselvollen Geschichte der Zeit danach viel zu sehr mit der Daseinsfürsorge (mit ihren Mitteln) beschäftigt und konnten sich nicht um Titel kümmern, doch dies kann kein Grund sein, die „Stadt“ einfach verloren zu geben.

Nach vielen Vorgesprächen und Anstrengungen des Ortsbürgermeisters Franz Xaver Scherrer und des Verbandsbürgermeisters Reinhard Scherrer wurde durch den Gemeinderatsbeschluss vom April 2005 der Wunsch, die Stadtrechte wieder zu erlangen, nun in der konkreten Antragstellung an die Landesregierung eingebracht. Doch die Vorgaben der Landesregierung sind klar. „Stadt“ darf sich eine Gemeinde nur nennen, wenn auch die Inhalte – sprich Lebensbedingungen - stimmen.

Dass Hagenbach auch in dieser Hinsicht keine „Mogelpackung“ ist, zeigte eine beeindruckende Bild- und Text-Präsentation mit anschließendem Rundgang der aus Mainz angereisten Kommission der Landesregierung.

Lobende Worte fand diese Kommission für den freundlich gestalteten neuen Ortsmittelpunkt zwischen St. Michaelskirche, Rathaus und Resten der alten Stadtmauer und den hübschen Fachwerkhäusern. Dass alte Dorfabschnitte liebevoll erhalten und restauriert werden, ist die eine Seite, dass andererseits moderne (städtische) Infrastruktur entstanden ist, zeigen ein Neubaugebiet und Neuansiedlungen leistungsfähiger Betriebe im Industriegebiet. Eindruck machte ebenfalls das neue Kulturzentrum, die Kindergärten, die Schule und der neue Friedhof. Alle Einrichtungen im Dorf lassen sich auf kurzen Wegen erreichen und unterstützen damit die Zusammengehörigkeit der Gemeinschaft. Viele kulturelle Ereignisse und überregionale Veranstaltungen offerieren den Bürgern gerne akzeptierte Angebote in Kunst und Kultur.

Rückblick


Das Jahr 1945 brachte eine Zeitenwende, die damals noch nicht absehbar war. Bis dahin zogen in schöner Regelmäßigkeit Kriege und Verwüstungen durch die Region, vom Bauernkrieg an bis zum Fanal des Zweiten Weltkrieges. Die geografische Lage Hagenbachs brachte es mit sich, dass sich hier fast immer Deutsche und Franzosen gegenüber standen. Eine Reihe weiser - weil geschichtskundiger - Politiker ermöglichte nach 1945 einen Neubeginn in Europa, der die Region in eine Epoche des Friedens überführte, in der Krieg heute undenkbar scheint.

1950 zählte Hagenbach 2340 Einwohner, doch 1963 wurde bereits die 3000er Schwelle übertreten. 1969 betrug die Einwohnerzahl 4000, im Jahre 1990 schließlich 5000 und heute scheint mit etwas mehr als 5600 Einwohnern die Bevölkerungszahl zu stabilisieren. Für den Wiederaufbau in Hagenbach waren aufgrund der stärkeren Zerstörungen mehr Energie erforderlich als in den Nachbargemeinden. Und durch die Grenznähe war diese Gemeinde nicht in dem Maße Ziel von Infrastrukturförderung. So war der Besuch einer weiter führenden Schule schon mit einer täglichen Reise nach Landau verbunden.

Obwohl sich die Situation durch die Schulen in Wörth schon spürbar entspannt hatte, war es 1992 schon ein besonderes Ereignis, dass die 1964 in den Gebäudekomplex der Grund- und Hauptschule Am Stadtrand verlagerte und 1973 erweiterte Schule eine 10. Klasse erhielt, deren Abschluss die Mittlere Reife ist. Diese Schule dient in den Klassen 1 bis 4 als Grundschule Hagenbachs, die Klassen 5 bis 9 der Hauptschule stehen jedoch auch den Kindern der Gemeinden Berg, Neuburg und Scheibenhardt zur Verfügung. 1960 ging der katholische Kindergarten St. Michael im Hof des Schwesternhauses in Betrieb, wurde jedoch 1993 in die Straße Am Stadtrand verlagert.

1974 wurde zusätzliche der Gemeindekindergarten im Konrad-Adenauer-Ring eröffnet.Auch im Bereich des Kerns Hagenbachs zeigt sich Ende der 70er Jahre wieder ein erstes architektonisches Selbstbewusstsein. Den Anfang machte der 1978 von dem Hagenbacher Künstler Dirk Boege errichtete Dorfbrunnen vor der St.-Michaels-Kirche. 1987 folgte das neue Verwaltungsgebäude der Verbandsgemeinde, das auch Räume für die Sparkasse und die Post bereithielt. Im Jahre 1988 erhielt die St.-Michaels-Kirche einen neuen Außenanstrich und 1996 eine Parkanlage, die regelmäßig für Konzerte genutzt wird. 2003 wurde die Neugestaltung des Obertorplatzes abgeschlossen und 2004 folgte der erste Teil der Ludwigstraße, deren zweiter Teil 2006 pünktlich zu den großen Feierlichkeiten fertig gestellt sein wird.

Weitere Informationen: www.hagenbach.de


Beitrag aus Gemeinde und Stadt 03/2006
 

 

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