Ortsgemeinde Böbingen: Entwicklung zur landwirtschaftlich geprägten Wohngemeinde

Böbingen (Verbandsgemeinde Edenkoben) liegt im Dreieck der Städte Landau, Neustadt und Speyer, abseits der Durchgangsstraßen inmitten der fruchtbaren Gäulandschaft, die noch nicht von Monokulturen geprägt ist und in der sich sogar noch Platz gefunden hat für mehrere Biotope und Grünzüge entlang der Bäche.
 
Kirchlein in BöbingenDeshalb hat die Ortsgemeinde für heutige Verhältnisse einen hohen Wildbestand und eine reichhaltige Vogelwelt. Dies führte u.a. dazu, dass dem Ort vor zwei Jahren zusammen mit Sierscheid (Verbandsgemeinde Adenau) der Sonderpreis für vorbildliche ökologische Leistungen von Ministerin Conrad verliehen wurde. Die Anbindung Böbingens an die Mittel- und Oberzentren ist sehr günstig, denn man kann von hier in einer halben Stunde die Oberzentren Ludwigshafen/Mannheim und Karlsruhe erreichen und ist jeweils in einer viertel Stunde in Landau, Neustadt an der Weinstraße oder Speyer.

Der ÖPNV ist dank der ALF (Anruflinienfahrten) in den letzten Jahren deutlich verbessert worden, so dass vor allem Verbindungen zum Schienennetz der Deutschen Bahn über den Bahnhof Edenkoben und Neustadt bestehen. Mittelpunkt des Dorfes ist das Dorfgemeinschaftshaus, das seinen Namen wirklich verdient. Eine sogenannte Betriebsgemeinschaft bewirtschaftet dieses Haus, und am Jahresende wird der erarbeitete Gewinn an die Vereine anteilsmäßig ausgeschüttet.

Selbstverständlich steht das gesamte Gebäude auch für private Familienfeste zur Verfügung. An Böbingen ist der Strukturwandel der Landwirtschaft nicht spurlos vorübergegangen. Es war einst eine Hochburg der Fleckviehzucht mit rund 90 Milchablieferern in den 60er Jahren. Heute leben die 12 Vollerwerbsbetriebe überwiegend vom Gemüseanbau, Zuckerrüben und Getreide.

Zwei Weinbaubetriebe haben sich auf die Selbstvermarktung mit gutem Erfolg spezialisiert. Für ein Dorf dieser Größe ist diese Zahl an Vollerwerbsbetrieben erstaunlich hoch. Die Betriebe gehen hier mehr in die Selbstvermarktung als in die Fläche, besetzen Nischen, orientieren sich am Endverbraucher und bilden so eine wirtschaftliche Größe im Dorf. Böbingen hat nicht nur drei Bioland-Betriebe, das Dorf wurde von allen Bauern zur gentechnikfreien Zone erklärt, was von der Gemeinde ebenfalls unterstützt wird.

Aus dem landwirtschaftlich geprägten Dorf ist in den letzten 25 Jahren eine ländliche Wohngemeinde mit hohem Wohnwert geworden. Im örtlichen Gewerbe sind 30 Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das Gewerbe beschränkt sich auf einige Handwerksbetriebe, wie Schlosserei, Schreinerei, Metzgerei und Druckerei. Ein Floristikbetrieb, ein Landschaftsbauer und ein Betrieb, der Bio-Kräuter anbaut und vertreibt, gehören zu Böbingen.

Dazu kommt das Raiffeisen-Warenlager und der Nachbarschaftsladen, der nur mit Unterstützung der Gemeinde noch betrieben werden kann und mit dem eine Grundversorgung, insbesondere für die alte Generation, sichergestellt wird. Die größte Gaststätte mit über 200 Sitzplätzen im Innen- und Außenbereich liegt 10 km vom Dorf entfernt. Es ist das Naturfreundehaus im Böbinger Gemeindewald im Edenkobener Tal.

Die schönste Bürgerbewegung haben die Böbinger vor drei Jahren erlebt, denn ein besondere Leistung der Dorfgemeinschaft waren die Feierlichkeiten anlässlich der 1225-Jahr-Feier im Jahr 2001, hier vor allem das Böbinger Stationentheater, in dem unter der Regie des Chawwerusch-Theaters sechs Geschichten aus dem Dorfleben von 90 örtlichen Schauspielerinnen und Schauspielern dargestellt wurden.

Die Einwohnerzahl ist von 451 im Jahr 1990 durch drei Neubaugebiete auf 681 Personen angestiegen, und die Zahl der leerstehende Altbauten hat sich von damals 12 auf eins reduziert. Böbingen wächst weiter – es wächst aber kontinuierlich und zwar so, dass die Neubürger in die Gemeinschaft integriert werden können und nicht eine neue Gemeinde neben der alten entsteht.

Diese Neubaugebiete haben für die finanzschwache Gemeinde auch den Nebeneffekt, dass die Gemeinde finanziell von der Baulandbewirtschaftung partizipiert und damit Finanzmittel für Zukunftsprojekte hat. So sind in Dorfentwicklungsmaßnahmen der letzten 14 Jahren mehr als 1,2 Million E geflossen, und Böbingen ist schuldenfrei. Aufgrund des großen Engagements der Mitbürgerinnen und Mitbürger bei der 1225-Jahr-Feier und besonders auch durch die Erfolge im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden – unser Dorf hat Zukunft“ ist in der Bürgerschaft ein Gemeinschaftsgeist zu spüren, um den Böbingen viele Gemeinden beneiden könnten.

Bei so viel Gemeinsinn liegt natürlich der Agenda-Gedanke sehr nahe, und so haben sich im Rahmen unserer Agenda 21 seit dem vergangenen Jahr verschiedene Arbeitskreise gebildet, die nicht nur dem Gemeinderat Vorschläge machen, sondern tatkräftig anpacken und somit eine riesige Bereicherung für die Gemeinde geworden sind. Besonders erfreulich dabei, dass sich Neubürger sehr stark engagieren. Agenda 21 fiel auf fruchtbaren Boden. Diese Agenda-Aktivitäten sind eingebettet in das Leitbild: „Vom Bauerndorf zur landwirtschaftlich geprägten Wohngemeinde“.

Weil der Agenda-Gedanke so positiv angenommen wird, gibt die Ortsgemeinde aktiven Mitbürgerinnen und Mitbürgern Freiräume, die sie zum Wohl der Allgemeinheit nutzen. Seit einem Jahr läuft eine agrarstrukturelle Entwicklungsplanung, in der die Gewässerrandstreifen eine besondere Rolle spielen. Die Flurbereinigung des Weinberggeländes ist ebenfalls beschlossen. Hier erfolgt die Zukunftsausrichtung für Landwirtschaft und Weinbau unter Einbeziehung ökologischer Aspekte, eine Ausrichtung, die die Böbinger Dorfgemeinschaft aktiv mit trägt.

Weitere Informationen: www.boebingen-pfalz.de


Beitrag aus Gemeinde und Stadt 07/2004
 

 

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