Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels: Vom Mittelpunkt des Reichs zum Mittelzentrum in der Pfalz

Die „vis maxima regni", das Machtzentrum des Reiches, wurde das Gebiet um das heutige Annweiler am Trifels im Mittelalter genannt. Die Burg Trifels über Annweiler, namensgebend für das Trifelsland, wurde 1081 erstmalig erwähnt. Ihre herausragende Bedeutung erhielt sie unter den Stauferkaisern im 12. und 13. Jahrhundert.
 
Reichskleinodien auf dem Trifels: Krone, Zepter, Reichsapfel und Reichskreuz.Die Reichskleinodien wurden auf der Burg mit Unterbrechungen von 1125 bis 1298 verwahrt; für bedeutende Gefangene der Herrscher u.a. Richard Löwenherz 1193 diente sie als Gefängnis.

Unterhalb des Trifels liegt die Stadt Annweiler, die 1219 von Kaiser Friedrich II. mit dem Stadtrecht ausgestattet wurde. Die im frühen 12. Jh. erstmalig erwähnte nachmalige freie Reichsstadt ist seit 1972 Sitzgemeinde der Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels. Mit dem 13. Landesgesetz zur Verwaltungsvereinfachung vom April 1972 wurden 13 Gemeinden zur Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels zusammengefasst. Die Gemarkungsfläche der Verbandsgemeinde beträgt 12.968 ha, die Einwohnerzahl liegt bei 18.200 (Stand 2001). Zur Verbandsgemeinde zusammengefasst wurden die Stadt Annweiler mit den Stadtteilen Gräfenhausen, Bindersbach, Sarnstall und Queichhambach sowie die Dörfer Albersweiler mit dem Ortsteil St. Johann, Dernbach, Eußerthal, Ramberg, Rinnthal, Völkersweiler, Wernersberg, Gossersweiler-Stein, Silz, Waldhambach, Waldrohrbach und Münchweiler am Klingbach. Ist die Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels, deren Verwaltung am 1. Januar 1973 ihre Arbeit aufnahm, eine recht junge Verwaltungseinheit, so blickt sie auf eine reiche Geschichte. Einige der Ortsgemeinden können ihre Geschichte bis in die Zeit vor der Wende vom 1. zum 2. Jahrtausend zurückverfolgen, so Gräfenhausen (817) und Albersweiler-St. Johann (991), viele wurden im Hochmittelalter erstmalig erwähnt.

Die Frühe Neuzeit sah das Gebiet der späteren Verbandsgemeinde als Flickenteppich, zersplittert in viele Herrschaften. Die Ereignisse der Französischen Revolution fegten dieses buntscheckige Gebilde von der Landkarte. Die Dörfer der Verbandsgemeinde wurden selbständig, 1797 erhielt die Stadt Annweiler die Aufwertung zur Kantonsstadt. 1816 fiel das Gebiet an das Königreich Bayern. Die Orte der heutigen Verbandsgemeinde kamen an das Landkommissariat Bergzabern, das 1938 in Landkreis umbenannt wurde. Der Landkreis Bergzabern wurde im Jahre 1969 mit dem Landkreis Landau zusammengelegt, der 1978 den Namen Landkreis „Südliche Weinstraße" erhielt. Mit der Gründung der Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels endete die Selbständigkeit der Dörfer keineswegs; in den Ortsgemeinden haben Ortsbürgermeister und Ortsgemeinderat ihre Funktion beibehalten. Der Verbandsgemeinderat besteht aus 33 Mitgliedern. Im Bunde mit der Verbandsgemeindeverwaltung ist diesen die Aufgabe gestellt, die Leistungsfähigkeit dieses Verbandes zum Wohle der Bürgerschaft zu fördern und zu gewährleisten. Bürgermeister der Verbandsgemeinde Annweiler am Trifels ist seit 1983 Ludwig Lehnberger (CDU).

Stadt und Verbandsgemeindesitz Annweiler am Trifels sind im regionalen Raumordnungsplan als Mittelzentrum ausgewiesen. Annweiler, seit 1964 als Luftkurort anerkannt, konnte im Jahre 2001 eine Übernachtungszahl von über 56.000 aufweisen, die Übernachtungen in der gesamten Verbandsgemeinde beliefen sich auf 137.000. 100.000 Menschen besuchen jährlich den Trifels auf dem Sonnenberg über der Stadt. Ebenfalls viele Besucher ziehen die zahlreichen Burgen im Land der „Burgendreifaltigkeit" an. Herausragendes Denkmal sakralen Bauens des Mittelalters ist das Zisterzienserkloster Eußerthal aus der Frühgotik. Und die Stadt Annweiler selbst hat im historischen Kern um die Stadtkirche dem kunsthistorisch Interessierten einiges zu bieten. Erwähnenswert sind noch das Bürstenbindermuseum in Ramberg sowie das „Museum unterm Trifels" in Annweiler.

Der Tourist kann auch ein weiteres vielfältiges Angebot nutzen!


Er findet bei Silz ein Naherholungsgebiet mit Landschaftsweiher und dem Wild- und Wanderpark „Südliche Weinstraße" mit seiner vielfältigen Tierwelt. Reiterhöfe gibt es in Albersweiler, Silz und Gossersweiler-Stein; ein Feriendorf ebenfalls bei Gossersweiler-Stein. Und wer einfach nur Wandern oder Radfahren will - auf einem ausgedehnten Netz von Wander- und Radwegen kann er seinem Hobby nachgehen. Und eine Vielzahl von Gastronomiebetrieben und Waldhütten sorgt für sein leibliches Wohl.

Gut eingebunden ist die Verbandsgemeinde in die Verkehrsinfrastruktur. Die Stadt Annweiler ist über die B 10 gut zu erreichen, die Bahnlinie Landau-Zweibrücken versorgt Albersweiler, Annweiler und Rinnthal im Rheinland-Pfalz-Takt, Busverbindungen führen zu den einzelnen Dörfern.

Auf wirtschaftlichem Sektor nehmen die Kartonagenfabrik Buchmann GmbH in Annweiler-Sarnstall, die Messwerkzeuge Stabila, die TrifaGlühlampenwerke und die Fa. HTI Maschinen- und Apparatebau GmbH in Annweiler eine beachtliche Stellung ein. Seit Jahrhunderten werden Gneis- und Sandsteinbrüche in Albersweiler und Waldhambach ausgebeutet; die Ramberger Bürstenund Spielwarenfabrikation exportiert ihre Artikel weltweit. Die Verbandsgemeinde Annweiler ist auch ein bedeutender Schulstandort. Grundschulen gibt es in Annweiler (mit einer Nebenstelle in Wernersberg), in Albersweiler, in Ramberg (mit einer Nebenstelle in Eußerthal) und in Gossersweiler-Stein. Das Trifels-Gymnasium der Protestantischen Landeskirche, die Berufsund Handelsschule sowie das Schulzentrum mit Haupt-, Real- und Sonderschule befinden sich in Annweiler. Der Bau des Trifelsstadions (1958/ 60, grundlegend saniert 1991/93) hat auf sportlichem Gebiet Richtpunkte gesetzt, das 1984 zum Spiel- und Spaßbad umgebaute Schwimmbad findet in den Sommermonaten regen Zuspruch. Die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung wird durch das Kreiskrankenhaus sicher gestellt.

Weitere Informationen: www.vg-annweiler.de



Beitrag aus Gemeinde und Stadt 05/2002
 

 

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