Ortsgemeinde Riol: Dorferneuerung, Stausee und lokales Energieprogramm

Eine nachhaltige Entwicklung der Dörfer sollte die in den 1980er Jahren initiierte Dorferneuerung in die Wege leiten – die Ortsgemeinde Riol in der Verbandsgemeinde Schweich an der Roemischen Weinstraße ist der weithin sichtbare Beleg für die Richtigkeit des Konzeptes.
 
Am sanften Hang über dem Dorf steht die Kirche St. Martin, deren Turm auf das 11. Jahrhundert zurückgeht. Foto: Matthias RöckeVon Anfang an war Riol bei der Dorferneuerung dabei, ist einen positiven Weg gegangen, wurde inzwischen mehrfach im Dorfwettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ ausgezeichnet und steht mit einem Großprojekt im Bereich Tourismus vor dem nächsten Entwicklungsschritt. 2007 errang die Ortsgemeinde Staatsehrenpreis und Goldmedaille in Rheinland-Pfalz und auf Bundesebene eine Silbermedaille wie die anderen rheinland-pfälzischen Vertreter auch.

Riol liegt am rechten Moselufer unterhalb von Schweich, hat knapp 1200 Einwohner und ist eine immer noch vom Weinbau geprägte Gemeinde. 257 Hektar der 630 Hektar großen Fläche sind im Weinbau und landwirtschaftlich genutzte Flächen, 211 Hektar sind Wald. Allerdings zeichnet sich ein Rückgang der Bedeutung des Weinbaus ab, weil in manchen der 15 Vollerwerbsbetriebe und 15 Nebenerwerbsbetriebe der am Weinbau interessierte Nachwuchs fehlt.

Ganztagskindertagesstätte mit Krippenplätzen für Kinder ab zwei Jahren, Bürgerhaus, Bauhof und Rathaus mit Ortsbürgermeisterbüro bilden die Struktur der öffentlichen Einrichtungen, zwei Lebensmittelgeschäfte, zwölf gastronomische Betriebe und eine Vielzahl von aktiven Vereinen tragen zum Zusammenhalt in der Bevölkerung bei.

Immerhin 150 Arbeitsplätze bietet der Ort und das, obwohl Riol auf die Ausweisung eines Gewerbegebietes verzichtet hat. Die Auspendler fahren nach Trier und Luxemburg. Die Grundschule ist im benachbarten Longuich, alle anderen Schulen einschließlich Gymnasium im wenige Kilometer entfernten Schweich, wo auch eine umfassende Ärzteversorgung existiert. Für die Verkehrsanbindung sorgt die Landesstraße am Moselufer, für den ÖPNV die Moselbahn mit ihrem Busbetrieb. Das Oberzentrum Trier ist rund 15 Kilometer entfernt.

In seiner geschichtlichen Entwicklung geht Riol bis auf vorrömische Zeit zurück. An dieser Stelle fand 70 nach Christus die entscheidende Schlacht der römischen Eroberung des Trierer Raumes statt. Die vom Hang aus das Dorf überragende Kirche St. Martin mit ihrem Turm aus dem elften Jahrhundert sowie weitere historische Gebäude prägen das Ortsbild.

Ortsgemeinde mit Zuzug


Riol ist eine Ortsgemeinde mit Zuzug. Auch das zuletzt ausgewiesene Neubaugebiet füllt sich relativ schnell, es ist interessant für junge Familien trotz eines nicht niedrigen Preisniveaus. Einige der Neubürger kommen aus Luxemburg, die hohen Grundstückspreise im Nachbarland und die gute Verkehrsanbindung an den Trierer Raum haben diese Entwicklung ausgelöst. Obwohl die Ortsgemeinde auf eine Gestaltungssatzung für die Baugebiete verzichtet, sind dort harmonische Dorfelemente entstanden. Den Grund sieht Ortsbürgermeister Arnold Schmitt im Wirken mehrere ortansässiger Architekten, deren ausgewogenen Rat die Bauwilligen annehmen, wie überhaupt der Zusammenhalt im Dorf gut ist: „Bei uns ziehen alle mit“, freut sich Schmitt, der übrigens als Landtagsabgeordneter die Position des Ortsbürgermeisters allgemein in Mainz stärkt.

Interessant ist eine Auflistung der Bauten nach Alter: 20 Prozent der Häuser stammen aus der Zeit vor 1948, weitere 20 Prozent aus der Spanne 1949 bis 1968, 25 Prozent von 1969 bis 1983 und 35 Prozent sind seit 1984 entstanden.

Dies hat großen Einfluss auf den Energieverbrauch, da die Wohngebäude noch vor dem Individualverkehr die größten Energieverbraucher im Dorf sind. Deshalb wird die Ortsgemeinde als eine der großen Zukunftstaufgaben die Aktion „Plus-Energie-Dorf Riol“ durchführen, was in erster Linie eine entsprechende Sanierung der älteren Bausubstanz und die Installation von Solaranlagen sowie im Ersatz überholter Heiztechnik beinhalten soll. Private Hauseigentümer sollen einen Zuschuss von rund 5000 Euro erhalten. Das Projekt kann den Energiebedarf der Gebäude um 44 Prozent senken, die neu gewonnene Sonnenenergie macht Riol dann zum „Plus-Dorf“, weil mehr Energie hergestellt als verbraucht wird.

Das andere große Zukunftsprojekt betrifft den Fremdenverkehr. Hier wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Trier ein touristisches Leitbild entwickelt: „Riol – die aktive, sportorientierte Gemeinde an der Mosel“. Ein Weinberglehrpfad, Randwanderwege, Klettersteig und die Beachvolleyballfelder am Moselufer sind kleinere schon verwirklichte Objekte im Sinne eines an sportlichen Aktivitäten orientierten Tourismus. Das touristische Leitbild orientiert sich an den Begriffen “Zu Wasser, zu Lande und in der Luft“, soll also Luftsportarten (Drachenfliegen), erdgebundene Sportarten und Wassersportarten vereinigen. Hier kommt nun der künftige Stausee von Riol zum Tragen. Die Baumaßnahmen sind im Gang, eine nicht mehr genutzte Weinanbaufläche in der Ebene, neben einer Kiesgrube gelegen, läuft mit Grundwasser voll wird ab dem Jahre 2010 einen Stausee parallel zum Moselufer bilden. An dieser Stelle befindet sich bereits heute ein Campingplatz. Den See und die dazu gehörige Sommerrodelbahn wird ein örtlicher Unternehmer bewirtschaften.

Nicht nur solche Projekte gestalten das Ortsbild. Ortsrandbegrünung, die Wiederentdeckung der Bauerngärten, Baumpflanzaktionen, dorfgerechte Gestaltung des öffentlichen Grüns und der von den Rioler Winzern überwiegend praktizierte integrierte Pflanzenschutz runden das Bild einer behutsamen, nachhaltigen Dorfentwicklung ab.

Weitere Informationen: www.riol.de


Beitrag aus Gemeinde und Stadt 12/2007
 

 

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