Verbandsgemeinde Cochem: Neuformiert im Herzen der Terrassenmosel

Als erfahrener Verwaltungs-Fachmann hat Helmut Probst, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Cochem, schon zahlreiche Umstrukturierungen erlebt. Doch was sich diesbezüglich seit 2009 getan hat, kam auch für ihn als überraschende Entwicklung: Binnen fünf Jahren erlebte er zum zweiten Mal eine Fusion in vorderster Front.
 
Die Moselschleife mit dem steilsten Weinberg Europas, dem Bremmer Calmont2009 fusionierte die damalige Verbandsgemeinde Cochem-Land, deren Bürgermeister Helmut Probst seit 2002 war, mit der Stadt Cochem. Die Stadt-Land-Fusion gilt bis heute als mustergültiger Durchbruch bei dem Versuch, Strukturen anzupassen, in die relativ kleine verbandsfreie Städte zu integrieren sind. Lange wurde um diesen Zusammenschluss gerungen. Entstanden war letztlich schlagkräftige neue Verbandsgemeinde Cochem.

Nur ein gutes Jahr später gelangte die damalige Verbandsgemeinde Treis-Karden auf die Liste der Gebietskörperschaften, die im Rahmen der bevorstehenden Kommunal- und Verwaltungsreform Rheinland-Pfalz einen „einschlägigen Gebiets-Änderungsbedarf“ nach Ansicht des Innenministeriums aufwiesen. Es begann ein noch erheblich intensiverer Verhandlungsmarathon als bei der Stadt-Land-Fusion Cochem, denn es stellte sich schnell heraus: Den Menschen in den Teilregionen der Verbandsgemeinde Treis-Karden war die jeweilige Zugehörigkeit zu Eifel, Mosel und Hunsrück wichtig. Also mussten sich am Verhandlungstisch mit den Verbandsgemeinden Treis-Karden, Cochem, Kaisersesch und Kastellaun gleich vier Partner einigen.

Mit Wirkung zum 01. Juli 2014 wurde die neue Verbandsgemeinde Cochem aus der Taufe gehoben. Zu ihr zählen nun neben dem früheren Zentralort Treis-Karden drei weitere Mosel- sowie zwei Hunsrückgemeinden. Mit insgesamt 23 Ortsgemeinden und ca. 19.950 Einwohnern hat die Verbandsgemeinde Cochem die Verbandsgemeinde Zell als bisher größte Verbandsgemeinde im Landkreis Cochem-Zell abgelöst.

Helmut Probst steht nunmehr seiner dritten Verbandsgemeinde als Bürgermeister vor. Er macht keinen Hehl daraus, dass ihm die zahlreichen Herausforderungen in dem neuen Gebietszuschnitt zwar einerseits Respekt abnötigen, ihm andererseits aber auch Freude bereiten: „Es gibt nichts Schöneres, als in einem schönen und großen Gebiet die Zukunft gestalten zu können. Mit den sechs neuen Gemeinden haben wir die Attraktivität unserer Verbandsgemeinde noch einmal gesteigert. “ Knapp 30 Mitarbeiter sind aus der Treis-Kardener Verwaltung nach Cochem gewechselt. Derzeit wird an sechs verschiedenen Standorten der Verwaltung gearbeitet. Ein entsprechender Antrag auf die Errichtung eines Erweiterungsbaus des Stammhauses in Cochem ist längst auf dem Weg. „Es ist von enormer Wichtigkeit für uns, die Bürger und alle Gremien, dass sich künftig alle Mitarbeiter und alle Fachbereiche an einem Ort befinden, denn nur so kann man auf Dauer effizient und kundenfreundlich arbeiten“, betont Helmut Probst.

Die Verbandsgemeinde Cochem ist nicht zuletzt wegen der Stadt, die sie im Namen trägt, eindeutig touristisch geprägt. Cochem ist eine der stärksten Mosel-Destinationen in der Tourismus-Branche überhaupt. Auch im Cochemer Umland bilden Weinbau und Tourismus das Rückgrat und den Motor einer Wertschöpfungskette aus Handel, Handwerk und Dienstleistung. Bürgermeister Helmut Probst hat insbesondere auf die Umsetzung von Dorferneuerungsprogrammen großen Wert gelegt, und dieses Engagement trägt Früchte, wie er verdeutlicht: „Mit der Silbermedaille im Europäischen Dorferneuerungswettbewerb für die Region rund um den steilsten Weinberg Europas, den Calmont, haben wir einen Meilenstein erreicht, dessen Wirkung nachhaltig ist. Eine attraktive Dorferneuerung steigert nicht nur das touristische Potenzial und löst eine enorme Wertschöpfung aus. Sie ist einmal mehr eine Investition in Lebensqualität.“

Ein weiterer Schwerpunkt in der Verbandsgemeinde Cochem sind der Aufbau und die Pflege eines Netzwerks für Flüchtlinge. Gemeinsam mit den Kirchen und den sozialen Trägern hat die Verbandsgemeinde der Willkommens-Kultur eine Struktur gegeben, die den Neubürgern von Beginn an vieles gerade im Alltag erleichtern soll.

Darüber hinaus setzt sich Helmut Probst intensiv mit den Folgen des demografischen Wandels auseinander. „Wir müssen im Hier und Jetzt Strukturen schaffen, die in den nächsten 40 Jahren noch Bestand haben können. Das fängt bei der Frage der Kindertagesstätten an und hört bei der Problematik, wie viele Bäder-Einrichtungen sich eine Kommune leisten kann, auf. Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass es uns gelingen wird, auf den demografischen Wandel so zu antworten, dass alle Beteiligten in unserer Verbandsgemeinde damit gut leben können.“ Mit der Zusammenführung von drei Bädern zu einer Gesellschaft mit dem Sitz in Cochem ist hier ein Anfang bereits gemacht.

Oft wird Helmut Probst gefragt, warum er sich das Amt des Bürgermeisters in einer so großen Verbandsgemeinde noch einmal „angetan“ habe. Auf solche Fragen reagiert der bald 66-Jährige gelassen und mit einem verschmitzten Lächeln: „Meine wichtigsten Vitalstoffe sind die Lust am Gestalten sowie die Begegnungen mit den Menschen. Ich höre gerne zu, um zu erfahren, wo der Schuh drückt. Das Amt des Bürgermeisters darf sich nicht nur in der Verwaltung abspielen, sondern muss auch ganz nah an den Menschen dran sein, denn es ist ihre Verbandsgemeinde, und ich glaube, es ist eine sehr gut aufgestellte.“

20.000 Einwohner in 23 Gemeinden

Die Verbandsgemeinde Cochem mit der Kreisstadt Cochem, 22 weiteren Ortsgemeinden und rund 20.000 Einwohnern zählt zu den landschaftlich interessantesten und reizvollsten Gebieten entlang der Mosel. Das vom Weinbau besonders geprägte Ferienland Cochem mit seinen anerkannten Tourismusgemeinden mit fast 15.000 Betten und jährlich weit über I Million Übernachlungen ist eine gern besuchte Urlaubs- und Erholungsregion.


Dem Gast steht ein breit gefächertes und abwechslungsreiches Freizeitangebot zur Verfügung. Radtouren durch romantische Weinorte oder Wanderungen über Weinbergshöhen entlang des mit dem europäischen Wandersiegel ausgezeichneten Fernwanderweges "Moselsteig" mit weiten Panoramablicken oder auch die Highlights BREVA-Kulturweg, Buchsbaum-Wanderpfad, Schiefergrubenweg, Apollowanderweg von Valwig nach Cochem oder der alpine Klettersteig im steilsten Weinberg Europas, dem Bremmer Calmont, zeigen das Ferienland Cochem von seiner schönsten Seite. Ausflugsfahrten zu attraktiven Sehenswürdigkeiten, Schiffsausflüge, Wassersportmöglichkeiten auf der Mosel (Wasserski, Surfen, Angeln), ein Besuch des Hallenwellenbades Cochem mit Kinderland oder der Freibäder in Ellenz-Poltersdorf und Treis-Karden, des überregional bekannten Wild- und Freizeitparks Klotten oder aber Drachen- und Gleitschirmfliegen von den Moselhöhen runden das vielfältige Angebot ab. Eine besondere Attraktion und gleichzeitig Verbindung zwischen Mosel, Eifel und Hunsrück ist die im Sommer 2006 eröffnete Ferienanlage auf der Moselhöhe Ediger-EIIer mit 380 Ferienhäusern und einer 18- und 9-Loch-Golfanlage.

Von der über 2000-jährigen Geschichte des Ferienlandes Cochem legen zahlreiche Zeugen wie beispielsweise der gallo-römische Umgangstempel auf dem Bremmer Calmont oder die gallo-römische Tempelanlage „Martberg" bei Pommern, die Römergräber bei Nehren, die Reichsburg Cochem, die Burgruinen „Winneburg" in Cochem, „Coraidelstein" in Klotten und „Metternich" in Beilstein, die Stiftskirche St.Castor und das Stiftsmuseum in Treis-Karden sowie mittelalterliche Marktplätze und liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser - Prunkstücke moselländischer Kultur - ein Zeugnis ab.

Die Gemeinden haben jedoch nicht nur die Traditionen liebevoll bewahrt, sondern auch in die Zukunft investiert. Beleg und Lohn für die erheblichen Investitionen zur Verbesserung der Lebensqualität sind die zahlreichen herausragenden Platzierungen der Gemeinden (und hierbei u.a. mehrere Landessieger sowie eine Silbermedaille und eine Goldmedaille auf Bundesebene) bei dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft".

Weitere Informationen: www.vgcochem.de


Beitrag aus Gemeinde und Stadt 04/2015
 

 

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