Ortsgemeinde Bruttig-Fankel: Vor mehr als 500 Jahren von der Mosel in die Welt

Die Ortsgemeinde Bruttig-Fankel an der unteren Mosel, zur Verbandsgemeinde Cochem-Land gehörig, hat ihre Besonderheiten und Attraktionen – wie manche andere Dörfer der Region auch. Beide Ortsteile beeindrucken mit einer historischen, aus dem 14. bis 17. Jahrhundert stammenden Bebauung, der Weinbau hat Tradition,
 

Ortsgemeinde Bruttig-Fankeldie örtlichen Vereine verstehen es zu feiern und auch auf diese Weise die Gäste für den Ort zu gewinnen.

 

Ein Campingplatz am Moselufer lädt ein ebenso wie insgesamt 600 Betten aller Kategorien. Schließlich leben gut 1200 Einwohner hier unter keineswegs ungünstigen Bedingungen. Nahe an der Sitzgemeinde der Verbandsgemeindeverwaltung in der Kreisstadt Cochem gelegen, ist eine vollständige Infrastruktur vorhanden, teilweise in der Ortsgemeinde selbst, teilweise im unmittelbaren Umfeld. Für die Verkehrsanbindung sorgen die Straßen im Moseltal, die Autobahnen 48 und 61 und die Bahnstrecke an der Mosel mit IC-Anschluss nach Koblenz. Dort finden auch viele der Einwohner Arbeit, wobei Tourismus und Weinbau im Ort für viele ein willkommenes zweites Standbein abgeben.

So ist also die Situation in Bruttig-Fankel und sie ähnelt der vieler Dörfer an der Mosel. Und doch hat die Ortsgemeinde einen Punkt in ihrer historischen Entwicklung, der ihr eine Alleinstellung gibt: Sie kann einen berühmten Sohn vorweisen aus einer Zeit, aus der nicht viele Persönlichkeiten im Gedächtnis geblieben sind. Es handelt sich um Petrus Mosellanus (www.petrus-mosellanus.de), der 1493 in Bruttig geboren und nur 31 Jahre alt wurde. Ursprünglich hieß er Peter Schade, erfuhr eine intensive Schulbildung – eine große Ausnahme in jener Zeit – und machte in seinem kurzen Leben von sich reden als Gelehrter und Freund von Martin Luther, Melanchton und Erasmus von Rotterdam. Auf ihn geht das erste Schulbuch in Deutschland zurück, er verfasste die „Paedologia in puerorum usum conscripta“ (37 Lehrgespräche in lateinischer Sprache), damit ist der Mann aus Bruttig-Fankel in die Geschichte eingegangen. Berühmt wurde der Professor der Leipziger Universität unter anderem auch durch seine Rolle als Moderator des spektakulären Streitgespräches zwischen Martin Luther und Karlstadt einerseits und Dr. Johanns Eck andererseits.

Zum 500. Geburtstag widmete die Ortsgemeinde Petrus Mosellanus eine Festschrift, drei Jahre später weihte sie in Bruttig den Mosellanus-Brunnen ein, initiiert vom Verkehrs- und Verschönerungsverein Bruttig-Fankel. Außerdem besitzt die Ortsgemeinde zwei wertvolle Schriften von Mosellanus. So ist das Andenken gewahrt im täglichen Leben des Ortes.

Vieles im Ortbild von Bruttig und Fankel erinnert heute noch an die Zeit des berühmten Sohnes. Es war keine schlechte Phase im Vergleich zu den Verhältnissen in anderen Regionen. Wer sich seinerzeit wie die Moselaner aus eigenem Grund und Boden ernähren konnte und außerdem über den Weinverkauf etwas Bargeld zur Verfügung hatte, galt als wohlhabend. Bruttig wurde 1498 Marktort, aufwändigere Häuser wurden gebaut, die zu einem guten Teil heute noch existieren. So auch das inzwischen umgebaute Geburtshaus von Petrus Mosellanus, außerdem mehrere teils massiv, teils in Fachwerk errichtete Wohnhäuser. In Bruttig steht auch das ehemalige Rathaus von 1619. Hier hat heute der Petrus Mosellanus Brunnen seinen Standort. Die Kirche von Bruttig hat einen gotischen Turm aus dem späten 15. Jahrhundert, die von Fankel geht sogar auf das 13. Jahrhundert zurück. Fankel kann mit dem ältesten geschlossenen Straßenzug an der Mosel aufwarten.

Geschichte lässt sich erleben in Bruttig und Fankel. Übrigens auch für die Gäste in speziellen Arrangements wie einer Exkursion auf dem archäologischen Wanderweg, einer alten Römerstraße. Außerdem setzt man auf die Natur, stellt ein Netz von Wanderwegen zur Verfügung und nutzt die Faszination des Lebens am Fluss, vom Wassersport über Schleusenbesichtigung bis zur traditionellen Fahrt mit dem Schiff. Petrus Mosellanus ist einst in die Welt gezogen, um zu lernen und sich einen Namen zu machen – eine andere Chance hatte er nicht. Heute wäre das anders, zumindest würde er gern zurückkehren.

Weitere Informationen: www.bruttig-fankel.de


Beitrag aus Gemeinde und Stadt 05/2006
 

 

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