Ortsgemeinde Ayl: Ganz Ayl macht mit – auch bei der Dorfmoderation

Die Ayler selbst, allen voran ihr langjähriger Ortschef Siegfried Büdinger, wussten es schon immer: Es ist Gold wert, in Ayl (Verbandsgemeinde Saarburg) zu leben. Seit Herbst vergangenen Jahres haben sie das nun auch „von höherer Stelle“ schriftlich bestätigt und in einer Urkunde offiziell dokumentiert.

 

Mehr als nur Weinidylle – die Ortsgemeinde Ayl in der Verbandsgemeinde Saarburg. Foto: Verbandsgemeinde SaarburgEnde September hatte das rheinland-pfälzische Innenministerium in einer Pressemitteilung darüber informiert, dass die Weinbaugemeinde beim Landesentscheid des 2017er Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ in der Hauptklasse Gold gewonnen hat. Zur Preisverleihung am 20. Oktober in Kaiserslautern reiste Ortsbürgermeister Siegfried Büdinger per Bus mit rund 50 Aylerinnen und Aylern an, die dadurch sowie durch die Begleitung bei den Besuchen der Jury stolz ihre Verbundenheit mit ihrem Ort (für nicht Wenige von ihnen auch der Geburtsort) zeigten.

„Die Ortsgemeinde arbeitet mit Hochdruck an ihrer Dorfentwicklung“, urteilte die Jury in ihrer Begründung und attestierte ihr besondere Erfolge in allen unter die Lupe genommenen Wettbewerbssegmenten: „Entwicklungskonzepte und wirtschaftliche Initiativen“, „Bürgerschaftliches Engagement, soziale und kulturelle Aktivitäten“, „Baugestaltung und -entwicklung“, „Grüngestaltung/Das Dorf in der Landschaft“ und „Gesamtbeurteilung“.

Tatsächlich ist der Ort, der mit dem Ortsteil Biebelhausen aktuell 1572 Einwohner zählt, für weit mehr als seine weltberühmte Weinlage „Ayler Kupp“ bekannt.

Eine sehr aktive Dorfgemeinschaft und ein ausgeprägtes Vereinsleben bilden dabei zweifelsohne den Kern. Nicht allein bei traditionellen Veranstaltungen und Festen wie der Bartholomäus-Kirmes sind junge wie ältere Bewohner schnell und nachhaltig zu mobilisieren. Das zeigt sich aktuell auch bei der kürzlich gestarteten Dorfmoderation. Seit Frühjahr 2017 ist Ayl anerkannte Schwerpunktgemeinde der Dorferneuerung für die kommenden acht Jahre. An der Auftaktveranstaltung zur Dorfmoderation im September nahmen rund 160 Einwohner teil und brachten erste Ideen zur Weiterentwicklung ihres Ortes ein.

Auch die Veranstaltung für Kinder und Jugendliche, in der es um deren Vorstellungen, Wünsche und Ideen ging, war mit rund 50 Teilnehmern gut besucht. Aktuell sind knapp 300 Einwohner maximal 18 Jahre alt. Dass Ayl mit seinem Ortsteil Biebelhausen kein überaltertes Dorf ist, hängt auch mit der vorausschauenden Planung von Neubaugebieten zusammen. An die 100 Bauplätze sind in den vergangenen 15 bis 20 Jahren bereitgestellt worden.

Attraktiv ist Ayl nicht allein wegen seines dorfeigenen Charmes. Auch das gerade einmal vier Kilometer entfernte Mittelzentrum Saarburg sowie die Nähe zu Luxemburg, das nach wie vor für einige Branchen attraktive Arbeitsbedingungen bietet, spielen eine Rolle bei der Frage, wo sich die Menschen niederlassen.

Über Dorfmoderation und Dorfentwicklungsprogramm hat sich die Ortsgemeinde kurz- und mittelfristig einige Projekte vorgenommen. So gibt es zum einen Pläne für eine neue Ortsmitte. Aus einem häufig zugeparkten Platz soll ein Dorfmittelpunkt für Jung und Alt werden. Zudem soll durch den Kauf und Abriss leerstehender, maroder Bausubstanz in diesem Bereich der Weg bereitet werden für neue, generationenübergreifende Wohnformen. Auch ein Dorfgemeinschaftsraum ist vorgesehen. Als verbindendes Element und einen Ort der Zusammenkunft sehen die jungen und älteren Ayler und Aylerinnen auch den geplanten Generationenspielplatz am Sportplatz.

Positiv geprägt ist das Ortsbild auch durch so manche private Initiative und Investition. Beispiel: der vor fast 20 Jahren vom Winzerehepaar Dorothee und Jürgen Weber gekaufte und zum Weingut und Veranstaltungsort umgebaute Winzerkeller „Margarethenhof“ in Ayl. Oder der aktuell laufende Umbau eines alten, lange leerstehenden Hauses zum weiteren Gästehaus durch Laura und Jörg Diekert, Pächter des Weinhotels „Ayler Kupp“, nur wenige Meter vom Dorfplatz entfernt. Oder das denkmalgeschützte Ayler Schloss aus dem Jahr 1823 mit seinen rund 900 Quadratmetern Wohn- und knapp 3000 Quadratmetern Gesamtfläche, das Wilma und Wolfgang Hammes mit ihrem Kauf Ende 2016 und ihrer Idee für eine künftige Nutzung aus dem Dornröschenschlaf erweckt haben. Dort laufen derzeit umfangreiche Um- und Ausbauten, sodass im Frühjahr 14 Mietwohnungen für ältere Menschen nach dem Prinzip des „Betreuten Wohnens“ bezugsfertig sind.

Ayls Ruf als traditionelle Weinbaugemeinde mit besonderen Lagen und sieben ambitionierten Weinbaubetrieben ist schlechthin bekannt. Auch das von der Universität Freiburg mitinitiierte und wissenschaftlich begleitete Arbustum-Weinbauprojekt auf dem Höhenzug neben der Grillhütte, die engagierte Einwohner ehrenamtlich in vielen Stunden errichtet und ausgestattet haben, hat sich vielerorts herumgesprochen. In Kooperation mit Ayler Winzern und der Ortsgemeinde untersucht die Hochschule dabei die Ergebnisse des Versuchs einer gemeinsamen Kultivierung von Weinreben und Bäumen nach römischem Vorbild.

Neben Ayls „traditionellem Standbein“, dem Weinbau, haben in den zurückliegenden Jahren in Ayl und Biebelhausen weitere Branchen Fuß gefasst. Allen voran die vielfach für ihre Produkte ausgezeichnete Großbäckerei „Biebelhausener Mühle“, bei der am Ort rund 280 Frauen und Männer „in Lohn und Brot stehen“. Darüber hinaus haben sich rund 20 Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe in Ayl und Biebelhausen erfolgreich angesiedelt – unter anderem auch in einem 2004 erschlossenen kleinen Gewerbegebiet.

Für Ortsbürgermeister Siegfried Büdinger steht fest: „Schon heute bietet unser Ort eine sehr hohe Lebensqualität. Mit den begonnenen Schritten in Richtung Dorferneuerung und Dorfentwicklung wird es uns gelingen, nicht im Stillstand zu verharren und die Attraktivität für alle Einwohnerinnen und Einwohner sowie für alle Besucherinnen und Besucher weiter zu steigern. Besonders froh bin ich darüber, dass das Miteinander der Generationen in Ayl ausgesprochen gut funktioniert und hier junge wie ältere Menschen den Raum und die Möglichkeiten haben, nach ihren Vorstellungen zu leben.“


Susanne Rendenbach


Weitere Informationen: www.ayl.de


Beitrag aus Gemeinde und Stadt 01/2018

 

 

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