Ortsgemeinde Kamp-Bornhofen: Leben am Strom im Wandel der Zeit

Bis heute ist die altehrwürdige Flößer- und Schiffergemeinde Kamp-Bornhofen in der Verbandsgemeinde Braubach ihren Traditionen treu geblieben. Die Menschen pflegen nach wie vor das Brauchtum und die rheinischen Feste.
 
Blick auf den Rhein und Kamp-Bornhofen.Von den früheren Erwerbszweigen Flößerei, Landwirtschaft, Obst- und Weinbau sowie Fremdenverkehr hat nur der Letztere im größeren Stil überlebt. Es gibt dagegen nur noch einen Vollerwerbswinzer in der Gemeinde. Kamp-Bornhofen hat sich zu einem kleinen, aber gemütlichen Fremdenverkehrs- und Wallfahrtsort mit internationalem Flair entwickelt.

Die größte Anzahl der Arbeitsplätze innerhalb der Gemeinde findet man im Gastgewerbe sowie im Altenpflegebereich. Die meisten Einwohner Kamp-Bornhofens pendeln dagegen in Städte wie Lahnstein, Koblenz oder gar das Rhein-Main-Gebiet zur Arbeit. Die Ortsgemeinde umfasst heute eine Fläche von 11,37 Quadratkilometern.

Die Ortsgemeinde Kamp-Bornhofen hat vor einigen Jahren mit Dorferneuerungsmaßnahmen begonnen. Hier sind seit diesem Zeitpunkt bereits große Fortschritte zu erkennen. Die stetige Weiterführung der Dorferneuerung unter Einbindung der jeweils betroffenen Bürgerinnen und Bürger bewirkt eine positive Entwicklung des Ortsbildes. Zug um Zug erstrahlen Straßen, Gassen und Plätze wieder in neuem Glanz und der historische Ortskern gewinnt auch für junge Familien wieder an Attraktivität. Der alte Ortskern wird noch lebens- und liebenswerter. Dies sorgt für eine gute Durchmischung der Alterstruktur von Alt und Jung und viele private Häuser wurden durch deren Eigentümer restauriert und liebevoll bis ins Detail gestaltet.

Vor wenigen Jahren wurde das Neubaugebiet "Im Höllchen" erschlossen. Seit dem hat sich in der Straße bereits einiges getan. Mehr als die Hälfte der Grundstücke mit unverbaubarem Blick auf den Rhein sind nun bebaut. Überwiegend junge Familien haben sich dort niedergelassen. Die noch freien Bauplätze sind übrigens nur noch in privater Hand.

Bemerkenswerte Sehenswürdigkeiten bereichern die Freizeit der Einheimischen und den Urlaub der Gäste. Die zwei legendäre Rheinhöhenburgen „Liebenstein“ und „Sterrenberg“ sind zu Fuß zu erreichen, das von einem Förderverein geführte Freibad am Rheinufer steht in den Sommermonaten bereit und zwei besondere Wanderwege, der Naturlehrpfad zur Filsener Ley und die „Allee der Bäume des Jahres“.

Weithin bekannter Anziehungspunkt in der Ortsgemeinde ist das Wallfahrtskloster der Kapuziner. Im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, beherbergt die Klosterkirche malerische Kunstschätze aus vergangener Zeit. Das Gnadenbild der Gottesmutter, der Marmor-Hochaltar aus dem 18. Jahrhundert, die Kanzel und viele Sehenswürdigkeiten mehr werden jährlich von zahlreichen Pilgern besucht und bewundert.

Bereits 1391 bis 1435 wird die Wallfahrtskirche und 1680 bis 1684 ein Kloster gebaut. Ab 1684 leben und arbeiten Kapuziner in Bornhofen. 1813 wird das Kloster aufgelöst. 1890 - nach dem Kultur-Kampf - kommen Franziskaner nach Bornhofen, die das Kloster noch heute leiten. Heute gibt es auch eine Pilgerhalle.

Aus der Geschichte


Kamp-Bornhofen wurde vor 949 n. Chr. erstmals urkundlich erwähnt. Diese Erwähnung basiert auf einer Schenkung von Weinbergen des Frankenherzogs Hermann, der am 10. Dezember 949 gestorben ist. Der Weinbau spielte zu dieser Zeit eine große Rolle. Weitere Haupterwerbsquellen waren die Landwirtschaft und Viehzucht. Enormen Einfluss auf das Leben und die Entwicklung der Gemeinde "Camp", die im Übrigen noch einige weitere historische Namensformen hatte, nahm stets die Kirche. Die jüngere Forschung geht davon aus, den Ortsnamen von Kamp vom lateinischen Lehnwort "campus" (Feld) abzuleiten. Schon in der Zeit um 600 n. Chr. war es zu einem Siedlungsvorgang gekommen, an dem überwiegend Franken beteiligt waren. Ab dem 11. Jahrhundert ist der Ortsname in den Urkunden dokumentiert. Der Wechsel vom "C" als Anfangsbuchstaben zum "K" erfolgte 1936. 1948 beschloss der Gemeinderat, die Änderung des Namens in "Kamp-Bornhofen (Rhein)" bei maßgeblicher Stelle zu beantragen. Die Reblaus und ein damit verbundener Ertragsrückgang im Weinbau bewegten die Menschen dazu, die Böden einer anderen Nutzung zuzuführen. Es wurden Süßkirschen, Erdbeeren, Äpfel, Birnen und Aprikosen angebaut. Kamper Obst wurde berühmt und sogar exportiert. Sinkende Preise bewirkten in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts recht schnell den Niedergang des Obstanbaus.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte die Flößerei auf dem Rhein ihren Höhepunkt. Allein eine Firma beschäftigte 1870 über 60 Männer als Flößer auf dem Rhein. Zum Transport von Holzstämmen nach Holland war dieses Berufsbild in der Gemeinde so ausgeprägt, dass man Kamp mit ruhigem gewissen als ehemalige "Flößer-Hochburg" bezeichnen könnte. 1965 befuhr das letzte Floß den Rhein.

Pilotprojekt Rheinufer


Pilotfunktion für ganz Rheinland-Pfalz hat die Ortsgemeinde Kamp-Bornhofen bei einem Projekt des Ministeriums für Umwelt und Forsten. Es geht um die Sicherung und Neugestaltung des Überschwemmungsgebietes des Rheins in der Ortslage, also Sicherung von natürlichem Überschwemmungsraum und attraktive Ufergestaltung in Einem. Die Schaffung von Retentionsräumen, die Sicherung des Abflussbereiches und die Aufwertung des Orts- und Landschaftsbildes stellten die Maßnahmen des Projektes dar mit dem Ziel, Naherholung, Fremdenverkehr und Ökologie zu stärken. Das betreffende Gebiet von 7,5 Hektar liegt zwischen Bundesstraße 42 und dem Rhein. Kernpunkt ist die Absenkung des Geländes, was gleichzusetzen ist mit dem Abtragen einer 1934 erfolgten künstlichen Aufschüttung zum Ort hin. Das Gelände schließt sich nun nahtlos an den Leinpfad an, die Promenade öffnet sich zum Rhein hin, was bisher nicht der Fall war. Auf der Fläche ist eine attraktive Gestaltung in zehn Bauabschnitten vorgesehen, von der „Klosterterrasse“ über die „Rathaustreppe“ und den Schiffsanleger“ bis zu einer auenartigen Gestaltung am südlichen Ortseingang. Der Wechsel zwischen steinernen Terrassen und grünen Räumen betont die historische Gestalt der Gemeinde.

Die Baukosten für den ersten Bauabschnitt trägt des Ministerium für Umwelt und Forsten zu 85 Prozent und die Europäische Union zu 15 Prozent, die des zweiten Abschnittes übernehmen das Umweltministerium und das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, alles zusammen 2,1 Millionen Euro. Derzeit laufen die Planungen für den dritten Bauabschnitt.
 

Weitere Informationen: www.kamp-bornhofen.de


Beitrag aus Gemeinde und Stadt 09/2006
 

 

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