Ortsgemeinde Leisel: Ein Dorf im Hunsrück – natürlich anders

Was können wir tun, damit unser Dorf auch in 100 Jahren noch existiert?
Diese Frage stellte sich der Ortsgemeinderat der kleinen, 619 Einwohner zählenden Ortsgemeinde Leisel in der Verbandsgemeinde Birkenfeld vor einigen Jahren.
 

Der Ort am Südrand des Schwarzwälder Hochwaldes im Hunsrück hat entgegen dem Trend der Zeit in den letzten 25 Jahren 7,5% an Einwohnern gewonnen, von Landflucht also keine Rede. Woran dies liegen könnte soll der nachfolgende Bericht beschreiben.

 

Das Dorf lebt vom Miteinander aller Generationen, die hier noch in oft traditioneller Form, sowohl unter einem Dach, als auch unter mehreren Dächern verteilt leben, sich noch unterstützen und auch miteinander feiern können. Eine positive Entwicklung aus Gemeindesicht kann nur dann erfolgen, wenn Ideen entwickelt und realisiert werden, die nicht überall zu finden sind. Im Zentrum hierbei steht der Mensch! So verfolgt die Gemeinde Leisel folgende Ziele:

 

  1. Generationen verbinden
  2. Begegnungsstätten zur Verfügung stellen
  3. Neu- und Altbürger einbinden
  4. Innenentwicklung erfolgt vor Außenentwicklung
  5. Planung und Realisierung aller gemeindlichen Vorhaben unter Einbeziehung der Bevölkerung
  6. Vorhandene Infrastruktur nutzen bzw. umnutzen 


Wichtig ist die Feststellung, dass sämtliche Aktivitäten, die die Ortsentwicklung betreffen, von der Ideensammlung bis zur praktischen Umsetzung aus der Dorfgemeinschaft heraus entwickelt werden.

 

Die Gemeinde ist überzeugt, dass sich bei ca. 600 Einwohnern und 65 Arbeitsplätzen am Ort eine gute Quote gebildet hat. Hier hofft die Gemeinde zukünftig, vor allem aus dem Kapital „gesunde Luft, hervorragendes Trinkwasser, viel Wald“ in nachhaltiger Weise Arbeitsplätze entstehen zu lassen. Dies wird auch in der gewerblichen Entwicklung der Gemeinde während den letzten 25 Jahren deutlich.

 

Während im Jahre 1985 28 Gewerbebetriebe ansässig waren, sind es im Jahre 2010 44 Betriebe. Der Fokus liegt hierbei auf Kleingewerbetreibenden, die die Chancen der naturverbliebenen Umgebung nutzen wollen. Die Altersstruktur selbst hat sich ebenfalls zum Positiven verändert, da mittlerweile der Anteil der Kinder und Jugendlichen bis 20 Jahre bei 26% der Gesamtbevölkerung liegt.

 

Im Ort finden sich folgende Vereine und Interessengruppen:

  • Turn und Sportverein mit eigenem Sportgelände
  • Männergesangverein, sowie Gemischter Chor,
  • Freiwillige Feuerwehr
  • Kläppergarde (Fastnachtsgruppierung)

 

Alle Vereine zusammen bilden eine Vereinsgemeinschaft. Diese ist verantwortliche für den Erhalt und den Betrieb der Vereinshalle, die in Eigenarbeit aus dem ehemaligen gemeindeeigenen Dreschschuppen entstanden ist. Wurde im Sportverein schon seit langer Zeit auf die Jugendarbeit gesetzt, startete im Jahre 1998 wieder mit sehr großem Zuspruch die örtliche Wehr mit dem Aufbau einer Jugendfeuerwehr.


Beide – Sportverein und Feuerwehr – ziehen auch heute ihren Mitgliederbestand aus dieser erfolgreichen Jugendarbeit. Die Einbindung der Dorfjugend in das Konzept der Dorferneuerung, die ihren Ursprung im Jahre 1985 hat, ist eine wesentliche Grundlage der heutigen Gemeinde- und Jugendarbeit. Auch ein monatliches Seniorentreffen wird in Leisel durchgeführt. Alle kulturellen Veranstaltungen (ca. 20) sind in einem Jahreskalender zusammengefasst.


Dorftradition wird im Rahmen von Kulturveranstaltungen (Biereschmierkirmes, Sportfest, Sängerfest etc.) gelebt. Hierfür werden auch die historisch erhaltenen Gebäude, wie die Vereinshalle, das Gemeindebackhaus und auch die Dorfkelter genutzt. Auch eine gemeindeeigene Bibliothek ist vorhanden, die einmal wöchentlich geöffnet ist. In Leisel sind alle Einwohner, als auch die Einwohner des alten Neubaugebietes in alle kulturellen Aktivitäten und Dorferneuerungsmaßnahmen integriert. Leisel besitzt kein „Schläferneubaugebiet“.


Die Gemeinde legt sowohl bei gemeindlichen Bauvorhaben, als auch seitens der privaten Bauherren, Wert auf die Erhaltung alter Bausubstanz. Lebende Beispiele hierfür sind ein Dorfgemeinschaftshaus in den Räumen der alten Dorfschule (mit Bibliothek), der alte Stierstall, das Kelterhaus, der historische Ortskern, ein Gemeindebackhaus, die aus dem ehemaligen Dreschschuppen entstandene Vereinshalle, ein Picknickplatz, der aus dem  alten Forstpflanzgarten entstanden ist  und ein Schlachthaus mit EU Zertifizierung.


Im historischen Ortskern wurden einige Altbauten auch von privater Seite liebevoll renoviert, teilweise ebenfalls mit historischen Materialien. Das Jugendfreizeitheim direkt neben der Kirche Heiligenbösch wird in den nächsten Jahren zum Interpretationszentrum im Rahmen eines ganzzeitlichen Konzeptes des „Sirona – Weges“ ausgebaut. Ein eigener Förderverein widmet sich diesem Vorhaben.


Leisel ist reich an Wald. Viele Wegführungen sind naturbelassen. Sämtliche Anpflanzungen erfolgen mit heimischen Bäumen und Sträuchern. Im Rahmen moderner Abwasserbeseitigung wurde sowohl für Kirche und Freizeitheim Heiligenbösch, als auch für das Sportheim mit nebenstehender Sportgaststätte auf natürliche Pflanzbeete gesetzt.
Kirche, Freizeitheim und Friedhof von Heiligenbösch sind mit dem Dorf Leisel durch eine malerische Kirschbaumallee verbunden, welche weithin sichtbar die Verbindung der Kirchengemeinde mit der politischen Gemeinde darstellen soll.

 

Als Folge der bisher angesprochenen Entwicklung und Darstellung ist die Ortsgemeinde Leisel stolz darauf noch keine Leerstände an Häusern zu verzeichnen. Im Jahre 2009 erhielt die Gemeinde den 2. Preis im Landeswettbewerb „Kinder- und jugendfreundliche Gemeinde“. 2010 stand sie im Landesfinale des Landes Rheinland Pfalz im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“.

 

Weitere Informationen: www.leisel.net

 

Beitrag aus Gemeinde und Stadt 10/2010
 

 

Landkarte Rheinland-Pfalz (Typical der Rubrik "Mitglieder")