Verbandsgemeinde Hermeskeil: Den Wandel aktiv gestalten

„Der Eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der Andere packt entschlossen zu und handelt.“ Getreu diesem bekannten Zitat von Dante Alighieri versuchen die Verbandsgemeinde Hermeskeil und ihre Ortsgemeinden dem demographischen Wandel und dem Strukturwandel in der ländlichen Region entgegenzuwirken.

 


Die Grimburg war im Mittelalter der kurtrierische Amtssitz von vierzig Siedlungen im Hochwald. Heute ist sie eine viel besuchte touristische Attraktion. Foto: VG HermeskeilDas Städtchen Hermeskeil im westlichen Hunsrück bildet mit 5.700 Einwohnern sowohl den Amtssitz als auch das wirtschaftliche Zentrum für zwölf weitere Ortsgemeinden und den rheinland-pfälzischen Teil des Hochwaldes. Mit insgesamt 15.000 Einwohnern – inklusive der Einwohner der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) und Dörfern von 2.500 bis 250 Einwohnern - stellt die VG Hermeskeil geradezu modellhaft die mittlere Durchschnittsverbandsgemeinde in Rheinland-Pfalz dar.


Das monozentrale Mittelzentrum Hermeskeil und die Ortsgemeinden bieten alle Einrichtungen der Grundversorgung – Einkaufen, allgemeine und berufliche weiterführende Schulen, Haus- und Fachärzte, Krankenhaus, Hallen- und Freibad, Amtsgericht und selbstverständlich das breite Spektrum der privaten gewerblichen Wirtschaft. Rund 3.000 Arbeitsplätze sind in der VG angesiedelt, sodass die Arbeitslosenquote mit um die 3 % niedrig ist. Begünstigt wird dieser Befund auch durch die guten Verkehrsanbindungen, die viele Hochwälder zu Arbeitsplätzen in Trier, Luxemburg oder im Saarland pendeln lassen.


Wie in allen ländlichen Räumen hat sich auch in der VG Hermeskeil der Bevölkerungsrückgang, verbunden mit der Zunahme des Anteils der älteren Bevölkerung sowie Leerständen in innerstädtischen Geschäftslagen und in den Dörfern bemerkbar gemacht. Durch vielfältige Initiativen haben die Kommunalpolitiker, mit Unterstützung des Kreises Trier-Saarburg und des Landes Rheinland-Pfalz, versucht den Strukturwandel aktiv zu gestalten.


Gemeinde-LogoBeseitigung von Leerständen wird gefördert

Die Umgestaltung der Dörfer von der noch mit Relikten landwirtschaftlicher Gebäude versehenen Bebauung zu modernen attraktiven Wohngemeinden bildete einen wichtigen Fokus. Dem Beispiel verschiedener anderer Verbandsgemeinden folgend wurde ein mit einem Jahresbudget von 50.000 Euro ausgestattetes Förderprogramm zur Revitalisierung bzw. Beseitigung von Leerständen aufgelegt, das z.B. Familien mit drei Kindern immerhin mit bis zu 8.000 Euro unterstützt.


Sehr bald wurde diese Maßnahme ergänzt durch die förmliche Ausweisung von Sanierungsgebieten in fast allen Gemeinden. Hierdurch wird die Voraussetzung dafür geschaffen, dass Altbestandssanierern erhebliche steuerliche Vergünstigungen gewährt werden können, z.B. bis 14.000 Euro bei einer Investition in Höhe von 50.000 Euro. Ziel war und ist es, unter Verfolgung des Grundsatzes „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ in der erschlossenen Ortslage Baugrundstücke zum halben Preis anzubieten und nur wenige Bauplätze – häufig in Abrundungssatzungen- neu zu erschließen.


Nicht minder bedeutsam für die Dorfentwicklung ist die Förderung des sozialen Zusammenhalts und des Vereinslebens. Aufgrund der beschränkten finanziellen Möglichkeiten konnte die Verbandsgemeinde hier nur als Impulsgeber für die Durchführung von sogenannten Dorfmoderationen fungieren. Hierbei werden in Workshops mit verschiedenen Zielgruppen, in Dorfbegehungen und Dorfgesprächen die Bürger/innen zum aktiven Einbringen ihrer Ideen animiert. Viele Vorschläge zur Gestaltung des Ortsbildes und der gemeindlichen Anlagen kamen so zur Umsetzung, Pflegepatenschaften gründeten sich und in mehreren Gemeinden kulminierten die Aktivitäten in einer erheblichen Belebung der Internetseite oder auch in der periodischen Herausgabe einer „Dorfzeitung“. Ein besonders gelungenes Beispiel stellt der Bau einer Dorf- und Kulturscheune dar, in der die örtlichen Vereine Veranstaltungsräume und auch Lagerräume für ihre Utensilien finden.


Eine wesentliche Hilfe erfahren viele Projekte durch das EU-Förderprogramm LEADER, das durch das Landesprogramm EULLE (früher PAUL) konkretisiert, die Entwicklung ländlicher Räume fördert. Die Verbandsgemeinde Hermeskeil ist Mitinitiatorin der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Erbeskopf, in deren Bereich in den letzten Jahren einige Mehr-Generationen-Projekte, Projekte zur Pflege des kulturhistorischen Erbes und zum Ausbau der touristischen Infrastruktur umgesetzt wurden. Sie hat auch sehr früh die Chancen erkannt, die die Ansiedlung des Nationalparks Saar-Hunsrück in einer strukturschwachen Region bietet. Denn neben dem Imagegewinn und den Entwicklungsmöglichkeiten im Tourismus hat sich die Landesregierung dazu verpflichtet, der Nationalparkregion eine privilegierte Förderung angedeihen zu lassen.


Wandertourismus und Museen

Im Bereich des Tourismus hat die VG Hermeskeil sehr frühzeitig auf den naturnahen Wandertourismus gesetzt. Deutschlands bester Fernwanderweg, der Saar-Hunsrück-Steig, durchquert das Gebiet der VG, vorbei an der mittelalterlichen Grimburg und an dem frühindustriellen Züscher Hammer. Fünf Premium-Traumschleifen ermöglichen einen erholsamen Wanderurlaub in einer abwechslungsreichen Kultur- und Waldlandschaft. Die Flugausstellung Junior und das Rheinland-pfälzische Feuerwehrmuseum in Hermeskeil stellen Attraktionen von überregionaler Bedeutung dar. In der Verbandsgemeinde sind neben der regionalen Gastronomie drei Restaurants angesiedelt, die zur deutschen Spitzenküche zählen.


Obwohl die VG Hermeskeil selbst keinen Gebietsveränderungsbedarf hat, bietet sie den benachbarten Verbandsgemeinden Kell am See und Thalfang am Erbeskopf an, mit Teilgebieten von ihnen eine neue Verbandsgemeinde Hochwald zu konstituieren. Die VG-Politiker sind davon überzeugt, dass so die mittelzentrale Infrastruktur gestärkt und eine wohnortnahe Versorgung der Bürger des Hochwaldes am besten gewährleistet werden kann.


Weitere Informationen: www.hermeskeil.de

Beitrag aus Gemeinde und Stadt 08/2017

 

 

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