Ortsgemeinde Emmelshausen: Stetiger Weg vom Dorf zur Kleinstadt

Die kontinuierliche Entwicklung einer Ortsgemeinde findet jetzt öffentliche Anerkennung durch einen besonderen Akt: Emmelshausen in der gleichnamigen Verbandsgemeinde wird, wenn im kommenden Jahr das Jubiläum des 75-jährigen Bestehens gefeiert wird, zur Stadt ernannt. Das hat die Landesregierung beschlossen — zeitgleich übrigens auch für die Ortsgemeinde Ulmen in der Verbandsgemeinde Ulmen.
 
Brunnen der Ortsgemeinde Emmelshausen

Die kontinuierliche Entwicklung von Emmelshausen zeigt sich in der stetig, aber nicht zu schnell gewachsenen Einwohnerzahl. Noch um 1960 hatte das Dorf im Hunsrück rund 2.000 Einwohner und um das Jahr 1970 bereits 3.500, um dann in mehreren Schüben auf die heutige Zahl von 5.000 zu kommen.

Einher ging das Wachstum mit der Ausweisung mehrere Neubaugebiete vor allem in der frühen 1980er Jahren und in den 1990er Jahren. Heute sind die Grenzen des Wachstums offenbar mehr oder weniger erreicht, nur noch kleinere Neubaugebiete wurden zuletzt erschlossen oder sind noch vorgesehen.

Und über das Wachstum hat sich auch das Erscheinungsbild des Ortes vom rein dörflichen Charakter hin zur Kleinstadt gewandelt. Neue Bauformen mit Wohneinheiten und Gewerbe unter einem Dach führten zu einer veränderten Bewohnerstruktur, die Bauten bleiben aber in den vertrauten Dimensionen. Konsequent wird außerdem die Nutzung freier Baugrundstücke innerhalb der alten Ortslage verfolgt.

Bis heute hat sich eine große Vielfalt von Einzelhandelsgeschäften, Arztpraxen (14), Apotheken (4) und anderen Gesundheitsdienstleistern sowie Betrieben des Gastgewerbes erhalten und entwickelt. Seine wichtige Funktion als Mittelpunkt für die umliegenden Dörfer hat sich Emmelshausen immer bewahrt.

Neben der Präsenz der Ärzte -das nächst erreichbare Krankenhaus ist im 16 Kilometer entfernten Boppard - gilt dies auch für die Schulen. Emmelshausen verfügt über ein Schulzentrum mit Grund- sowie Integrierter Gesamtschule, die künftig die gymnasiale Oberstufe anbietet.

Es gibt außerdem einen Kindergarten in kirchlicher Trägerschaft und einen der Kommune, an den zusätzlich der sehr beliebte Waldkindergarten angeschlossen ist, einer von ganz wenigen im Lande. Die Mittelpunktfunktion erfüllt Emmelshausen natürlich im besonderen Maße durch den Sitz der Verbandsgemeindeverwaltung. Insgesamt 15.000 Bürgerinnen und Bürger aus 25 Orten haben hier ihren Anlaufpunkt. Das notwendige soziale Netz bilden einerseits ein modernes Seniorenwohn- und Pflegeheim, ein Projekt für betreutes Wohnen und eine Sozialstation der Caritas.

Moderne Verkehrsführung durch den Ort - die Hunsrückhöhenstraße dient dem Fernverkehr als Umgehung, der übrige Verkehr berührt den Ortskern unmittelbar - prägen mit das Bild einer städtischen Erscheinung. Die Fernanbindung auf der Straße besorgt die nah vorbei führende Autobahn 61. Der Flughafen Hahn ist in rund 30 Minuten zu erreichen.

Auch die Bahn spielt eine gute Rolle, denn mit der Hunsrückbahnroute konnte der Eisenbahnanschluss an den Rhein bewahrt werden. Seit nunmehr 101 Jahren fahren die Züge auf der Steilstrecke von Boppard bis Emmelshausen, gerne genutzt auch von Eisenbahnfreunden aus aller Welt. Denn die 16 Kilometer lange Strecke ist die steilste in Deutschland, die ohne Zahnradantrieb befahren wird. Der Bahnhof Emmelshausen, jetzt Endpunkt der früher nach Kastellaun führenden Strecke, wird auch als Kulturbahnhof genutzt.

Zentrum am Park

Großen Anteil an der überörtlichen Bedeutung des Ortes hat das Tagungszentrum ZAP (Zentrum am Park), lebhaft genutzt für Tagungen, Ausstellungen und Kulturprogramme. Ein weiterer Anziehungspunkt ist das bedeutsame Agrarhistorische Museum auf dem Gelände des ehemaligen Staatlichen Seminars für landwirtschaftliche Lehr- und Beratungskräfte Rheinland-Pfalz. Die dort präsentierte Ausstellung landwirtschaftlicher Geräte und bäuerlichen Lebens — auch vom früheren Standort dorthin umgesetzte Hunsrückhäuser zählen dazu — spiegelt die Entwicklung der Region wider. Heute gibt es übrigens nur noch einen Vollerwerbslandwirt in Emmelshausen, weitere fünf betreiben Landwirtschaft im Nebenerwerb. Der alljährlich im Oktober durchgeführte Bauernmarkt wird von Einheimischen und Gästen sehr stark frequentiert.

Arbeit finden die Emmelshausener außer in der unmittelbaren Umgebung vor allem in Koblenz. Arbeitsplätze im Ort gibt es (Zählung aus dem Jahre 2006) rund 1.300, dazu kommen rund 1.000 aus dem Gewerbegebiet Dörth. Fremdenverkehr steht nicht im Mittelpunkt der Strukturen, er entwickelt sich aber stetig, unter anderem dank des attraktiven Radwanderweges auf der ehemaligen Bahntrasse in Richtung Kastellaun und außerdem an der  Mosel. Wichtig für die Entwicklung des Ortes ist die inzwischen verwirklichte Trennung von Wohnen, Arbeiten und Erholung — für Sport und die Erholung steht unter anderem auch das Panoramabad bereit. Wanderungen durch die Moselseitentäler Ehrbach- und Baybachtal stehen bei Naturfreunden hoch im Kurs.

Gründungsjahr 1935

Die künftige junge Stadt Emmelshausen ist auch insgesamt noch ein sehr junger Ort. Im kommenden Jahr steht ein verglichen mit anderen Städten und Dörfern der Region bescheiden anmutendes Jubiläum an, nämlich das 75-jährige Bestehen. 1935 wurde der Name gewählt für die im Rahmen einer Gebietsreform zu einem neuen Ort zusammen geführten Dörfer Liesenfeld und Basselscheid sowie der Siedlung „Bahnhof Halsenbach“. Der Name Emmelshausen geht auf eine untergegangene Wüstung an dieser Stelle zurück, die zwischen Basselscheid und Liesenfeld gelegen war.

Ortsbürgermeister Norbert Monnerjahn schätzt den guten Zusammenhalt im Ort, der letztlich die Grundlage ist für die positive Entwicklung. Alle zusammen werden feiern, wenn es im kommenden Jahr zum Jubiläum heißt: Stadt Emmelshausen!

Weitere Informationen: www.emmelshausen.de


Beitrag aus Gemeinde und Stadt 10/2009

 

 

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