Energiewende

Ein hohes politisches Ziel der Landesregierung in den letzten Jahren war die Energiewende. Dieses Ziel – auch in der Bundespolitik –, das noch unter der rot-grünen Bundesregierung 2010 politisch auf den Weg gebracht worden ist, ist auch von der Großen Koalition wegen Fukushima nicht in Frage gestellt, sondern durch die Hinwendung zu den erneuerbaren Energien geradezu forciert worden.

 

Aber ist die Energiewende wirklich auf einem guten Weg? Unter Energiewende fallen im Wesentlichen fünf Bereiche:


  • Erneuerbare Energien
  • Energieverbrauch und Energieeffizienz
  • Netzinfrastruktur und Netzausbau
  • Verkehr und
  • Treibhausgasemissionen


Zur Untersuchung der Entwicklung der Energiewende hat die Bundesregierung einen Sachverständigenrat eingerichtet, der jährlich die o.g. Ziele im Hinblick auf ihre Erfüllung untersucht.

Die Ergebnisse sind nicht gerade ermutigend.

Mit Ausnahme der Erzeugung erneuerbarer Energien werden alle anderen Ziele, wenn es bei der jetzigen Entwicklung bleibt, verfehlt! Und eines steht schon heute fest: Alle Ziele bis 2020 können – Stand heute – nicht erreicht werden.

Mit Blick auch auf die langen Zielvorgaben bis 2050 muss man für die einzelnen Bereiche folgende Ergebnisse festhalten:

Beim Verkehr hat es statt einer (gegenüber 2005) bis 2014 geplanten 10%igen Verringerung des Endenergieverbrauches eine 2%ige Steigerung gegeben.

Die Treibhausgasemissionen sind so wenig verringert worden, dass diese Verringerung verdreifacht werden müsste, um die angestrebten Ziele zu erreichen. Wie soll das angesichts der globalen, aber auch der Situation bei unseren europäischen Nachbarn überhaupt geschehen?

Das Thema Netzausbau hat zwar Fahrt aufgenommen, krankt aber an vielen planungs-, naturschutz-, eigentums- und sachenrechtlichen Einschränkungen. Und ob die wesentlich teureren Offshore-Windanlagen, die diesen Netzausbau zur Versorgung des Südens dringlich machen, tatsächlich wirtschaftlich tragfähig sind, ist alles andere als bewiesen.

Die Endenergieproduktivität ist statt wie geplant mit 2,1% nur um 1,2% gestiegen.

Die Energieeffizienzziele werden auch deswegen nicht erreicht, weil die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen nicht mit den Förderbedingungen korreliert und in bestimmten Bereiche in der Zukunft auch noch ein Entsorgungsproblem für die Dämmmaterialien („Sondermüll“) droht.

Einzig die Erzeugung erneuerbarer Energie im Stromsektor bewegt sich in den Zielvorgaben der Politik. Sie hat allerdings das Problem der Speicherung und der Nutzbarkeit, insbesondere im Spitzenlastbereich.

Wir haben uns wieder einmal fast ausschließlich auf eine einzige Möglichkeit der Erzeugung erneuerbarer Energie gestürzt, ohne – weitere wichtige Fragen – beim Atomstrom, die Entsorgung des Mülls und die Notwendigkeit von dauerhafter Speicherung mit zu lösen. Dies gilt bei der Speicherung auch für die photovoltaische Erzeugung.

Gleichzeitig ist die Erforschung anderer Möglichkeiten der Erzeugung erneuerbarer Energien als eher übersichtlich zu bezeichnen. Ich kann jedenfalls kein besonderes Interesse der Politik und der Wirtschaft daran erkennen.

Und solange dies so ist, sind wir weiterhin auf die Erzeugung von Strom mit fossilen Brennstoffen und auf den Atomstrom unserer Nachbarn in Europa mit angewiesen.

Ich finde, es tut Not, hier einmal innezuhalten, ein Résumé zu ziehen und dann noch einmal darüber nachzudenken, auf welchen Grundlagen das Thema Energiewende weiter verfolgt werden sollte.


GStB-Kommentar aus Gemeinde und Stadt 4/2016
Winfried Manns
Geschäftsführendes
Vorstandsmitglied des
Gemeinde- und Städtebundes

 

 

Zeitungsstapel (Typical der Rubrik "Info-Dienste")