Bericht des Vorsitzenden Dezember 2016

Liebe Leserinnen und Leser,

an allererster Stelle möchte ich danken.
Zum einen für das Vertrauen, dass Sie Aloysius Söhngen und mir für die nächsten vier Jahre mit Ihrem einstimmigen Votum auf unserer Mitgliederversammlung bei unserer Wiederwahl als alternierende Vorsitzende geschenkt haben. Das hat uns außerordentlich gefreut.

 

Zum anderen richte ich meinen Dank an Aloysius Söhngen für die hervorragende Arbeit als amtierender Vorsitzender in den letzten zwei Jahren. Er hat die Interessen des GStB und damit Ihre Interessen hervorragend vertreten.

Und zum Dritten möchte ich in diesen Dank Axel Haas, unseren 2. Stellvertretenden Vorsitzenden, den gesamten Vorstand, die Gremien und die Geschäftsstelle mit Winfried Manns und Dr. Stefan Meiborg an der Spitze ganz ausdrücklich einschließen.

Der GStB Rheinland-Pfalz ein hervorragendes Team.

Und nun an die Arbeit. Die vor uns liegenden Herausforderungen sind gewaltig. Dabei will ich Ihr Augenmerk gar nicht auf die immer wieder genannten Themen wie Finanzen, Kommunal- und Verwaltungsreform, Asylbewerber oder auch Bauplanungsrecht lenken.

Verwaltung als Dienstleister Wie sieht es mit dem Nachwuchs aus?


Das Bild der öffentlichen Verwaltung hat sich in den letzten Jahren gewaltig geändert, und das durchaus zum positiven. Längst ist unser Selbstverständnis, das wir mit unseren Leistungen in unseren Rathäusern als Servicestation für die Menschen in unseren Gemeinden und Städten da sind. Unsere Rathäuser sind offen, unsere Kolleginnen und Kollegen kompetent und hilfsbereit und die Qualität unserer Arbeit hervorragend. Gleichzeitig erwarten Bürger und Wirtschaft auch künftig immer bessere, schnellere, effektivere, bürgernähere und zusätzliche Leistungen. Öffnungszeiten bis in die Abendstunden oder Eheschließungen, die der Standesbeamte am Wochenende wahrnimmt, sind längst keine Ausnahmen mehr.    

 

Die Qualität unserer Arbeit steht und fällt mit der Qualität unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Hier sind wir (noch) sehr gut aufgestellt. Allerdings sind schon jetzt über 75 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst älter als 35 Jahre. Der Anteil der über 60-jährigen wird weiter steigen. Kommunen werden vielerorts in Folge von Ruhestandseintritt im Verlaufe der nächsten 15 Jahre über die Hälfte ihres derzeitigen Personals verlieren.

Die meisten von uns müssen mehr und mehr feststellen, dass es immer schwerer wird, jungen Menschen für eine Ausbildung im öffentlichen Dienst zu gewinnen. Die sinkende Zahl von Schulabgängen verstärkt den Wettbewerb privater und öffentlicher Arbeitgeber um die „besten Köpfe“.

 

Vielen Schulabgängern erscheint es nicht mehr lukrativ, bei uns zu arbeiten. Wir merken das immer deutlicher an der Bewerberlage, wenn wir Ausbildungsstellen ausschreiben. Nun mag es dabei (noch) regionale Unterschiede zu geben, aber der Trend ist unverkennbar. Die Gründe mögen unterschiedlich sein. Da mag die große Auswahl an Alternativen ebenso eine Rolle spielen wie monetäre Aspekte, möglicherweise auch ein falsches Bild von "verstaubten" Amtsstuben.

 

Hier gilt es massiv gegenzusteuern. Wir brauchen ein Attraktivitätsprogramm für den öffentlichen Dienst. Wenngleich Rechnungshof und Kommunalaufsicht uns enge Ketten bei der Vergütung anlegen, gibt es andere Möglichkeiten für die Arbeit in den Rathäusern zu werben. Die Attraktivität eines Arbeitsplatzes zeigt sich nicht nur in der Bezahlung, sondern auch in guten Rahmenbedingungen. Da soll meinethalben der sichere Arbeitsplatz genannt sein oder die gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Viel wichtiger erscheint mir die Vielfältigkeit der Tätigkeiten, die wir anbieten. Gerade weil junge Menschen eine spannende und anspruchsvolle Tätigkeit suchen, müssen wir diese Elemente viel deutlicher in den Vordergrund stellen und dafür werben. Finanzen, Baurecht, IT, Soziales und vieles andere mehr steht in unseren Geschäftsverteilungsplänen. Und das allermeiste kann richtig spannend sein. Mindestens genauso wichtig ist die Möglichkeit, jungen Menschen Verantwortung zu übertragen, sie Entscheidungen treffen zu lassen und ihnen so das Gefühl zu geben, dass ihre Arbeit wertvoll ist. Und die Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung verbunden mit einer Erhöhung der Aufstiegschancen sollten auch verstärkt beworben werden. Zur Attraktivitätsoffensive gehört auch das Arbeitsumfeld. Dort wo es im öffentlichen Dienst möglich ist, sollte auch die Ausweitung von Arbeitszeit-Souveränitäts-Modellen für flexiblere Arbeitszeiten ermöglicht werden. Damit der Verwaltungsmitarbeiter jedoch früher gehen und die Fallbearbeitung später noch in den Abendstunden erledigen kann, müssen jedoch die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden. Auch positive Elemente der Kinderbetreuung, der Wertschätzung und Anerkennungskultur, der Fortbildung und entsprechenden Aufstiegsmöglichkeiten müssen weiter ausgebaut und gestärkt werden.

 

Die Gemeinden und Städte können den demografischen Wettbewerb mit der Privatwirtschaft ohnehin nur schwer über Lohnsteigerungen gewinnen. Die Privatwirtschaft kann immer höhere Abschlüsse akzeptieren, da sie in Krisenzeiten auch schneller entlassen, oder Arbeitsplätze zu Niedriglöhnen anbieten kann. Aber auch die Privatwirtschaft wirbt mittlerweile immer mehr mit Angeboten zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder auch ganz allgemein „Work-Life-Balance“ um den Nachwuchs. Dieses verschärft die Situation für die Kommunen umso mehr.

Wenn die Bürgerinnen und Bürger aber auch die Wirtschaft immer mehr und immer bessere Leistungen, möglichst rund um die Uhr einfordern, muss auch klar sein, dass es dieses nicht zum Nulltarif geben kann. Die Frage ist, wie viel ist die Gesellschaft bereit, zu investieren?

 

Digitale Verwaltung


Moderne Verwaltung muss besser, digitaler und weiter bürgerfreundlicher werden. Sowohl Wirtschaft als auch die Bürgerinnen und Bürger wünschen sich mehr digitale Bürgerdienste. Nach den Ergebnissen der gerade veröffentlichten Bitcom-Studie wünschen sich 83 Prozent von ihrer Stadtverwaltung, die Möglichkeit, Behördengänge vollständig über das Internet erledigen zu können. 79 Prozent wünschen sich ein zentrales Anmeldeportal für Kitas und Schulen, um freie Plätze gerechter verteilen zu können. 85 Prozent der Befragten sagen, dass sie Katastrophen und Sicherheitswarnungen der Behörden auf ihrem Smartphone erhalten wollen. Allein in Deutschland ist die Anzahl der Internetnutzer im Jahr 2016 um zwei Millionen auf 58 Millionen Menschen gestiegen. Dies entspricht 84 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung. Täglich rufen 65 Prozent bzw. 45 Millionen Menschen Inhalte aus dem Netz ab. Vom Digitalen Rathaus sind wir allerdings noch meilenweit entfernt.

Derzeit erleben wir mit der Digitalisierung einen der größten Modernisierungsprozesse seit der Industrialisierung. Genau hierauf müssen wir uns hier und jetzt vorbereiten. Sie wird das Leben in den Gemeinden und Städten und die Verwaltung grundlegend verändern. Längst haben wir uns daran gewöhnt, alle möglichen Waren über das Internet zu bestellen, über soziale Netzwerke zu kommunizieren und uns über das Netz, das eine Vielzahl an wahren und falschen Informationen bietet, zu informieren. Richtig aufgestellt kann die digitale Revolution eine große Chance sein für mehr Effizienz, Nachhaltigkeit, eine bessere Daseinsvorsorge auch im ländlichen Raum. Digitalisierte Verwaltungsabläufe bieten die Chance, die Mitarbeiter an anderen Stellen zu entlasten und so mehr Zeit für die vielleicht etwas komplizierteren Einzelfälle zu schaffen.

In Zukunft wird auch das Thema Informations- und Datensicherheit einen wesentlich größeren Raum in unseren Verwaltungen einnehmen. Unsere Bürgerinnen und Bürger bringen ihren Stadtverwaltungen in besonderem Maße Vertrauen entgegen. Personenstandsdaten werden hier genauso wie Wirtschaftsdaten gehütet und würden auf dem Markt von denjenigen, der kriminelle Absichten mitbringt, oftmals viel bares Geld bedeuten. Zu Recht erwarten die Menschen, dass wir ihre Daten mit entsprechender Technik, Personal und Wissen schützen. Fakt ist: Die Städte und Gemeinden haben angesichts der Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft bereits heute neue und ausgeweitete Aufgaben zu bewältigen. Das stellt in Zukunft andere Anforderungen an das Personal. Dieser Entwicklung muss stärker Rechnung getragen werden, um beim Standortfaktor Verwaltung nicht abzufallen.

Meine Bitte an Sie, insbesondere an die Verwaltungschefs unter uns, ist, dass Sie werben um qualifizierten Nachwuchs. Wenn es uns heute nicht gelingt, junge Men-schen für unsere Arbeit zu interessieren, werden wir schon bald einen massiven Qualitätsverlust in den Rathäusern feststellen müssen. Die notwendige Personalof-fensive muss jetzt und heute beginnen. Andernfalls werden wir nicht nur den Wirt-schaftsstandort gefährden, denn ohne funktionsfähige Verwaltung gibt es keine erfolgreiche Wirtschaft, sondern auch unseren Bürgerinnen und Bürgern keine effektive Verwaltung gewährleisten können.

Ich danke Ihnen allen, ob ehrenamtlich oder hauptamtlich tätig, für Ihr Engagement im zurückliegenden Jahr und wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes Jahr 2017.


Herzliche Grüße
Ihr
Ralph Spiegler
Vorsitzender

GStB-Bericht aus Gemeinde und Stadt 12/2016
Ralph Spiegler
Vorsitzender des Gemeinde- und Städtebundes

 

 

Zeitungsstapel (Typical der Rubrik "Info-Dienste")