Holzzertifizierung in Rheinland-Pfalz: Verbände fordern Qualität statt Quantität!

An der Forstzertifizierung nach dem PEFC-Ansatz haben sich in Rheinland-Pfalz maßgebliche gesellschaftliche Interessengruppen, insbesondere die Umweltverbände und der Gemeinde- und Städtebund, nicht beteiligt.
 

Sie favorisieren weiterhin eindeutig das international und national bereits etablierte FSC-Gütesiegel. Was sind die Gründe?

 

  1. Die substantielle Einbindung aller gesellschaftlichen Gruppen, die den Wald nutzen oder ein berechtigtes Interesse an ihm haben, ist eine unabdingbare Voraussetzung einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne von Rio. Während im FSC-Prozess alle Akteure, also die Umweltorganisa-tionen, die Gewerkschaften und die Waldbesitzer (d.h. die ökologischen, die sozialen und die ökonomischen Belange) gleichberechtigt vertreten sind, geben bei PEFC eindeutig die Waldbesitzer den Ton an. Sie können in den Gremien nicht überstimmt werden. Die unterschiedlichen Mitspracherechte bei der FSC- und der PEFC-Zertifizierung sind Ausdruck unterschiedlicher Auffassungen darüber, welche Anforderungen ein echtes Gütesiegel, das mehr ist als ein einfacher Herkunftsnachweis, zu erfüllen hat.
  2. Für die Glaubwürdigkeit und den Erfolg eines Gütesiegels ist es entscheidend, dass es nicht auf Grund von Zielformulierungen für eine Region und bloßen Absichtserklärungen der Waldbesitzer vergeben wird, sondern nach Vor-Ort-Überprüfung der einzelnen Forstbetriebe. Dies ist bislang nur beim FSC-Gütesiegel der Fall. Die Einhaltung von Leitlinien im Forstbetrieb wird bei PEFC nur per Stichprobe überprüft und zwar nachträglich. Das PEFC-Logo kann genutzt werden, ohne dass zuvor eine unabhängige Überprüfung der zertifizierten Betriebe erfolgt ist.
  3. Ein Zertifikat muss für global agierende Unternehmen weltweit gültig und anwendbar sein. Es darf durch die Beschränkung auf Europa keinen geographischen Handelsbarrieren Vorschub leisten.

 

Unter den genannten Rahmenbedingungen hätte eine Mitarbeit in der regionalen PEFC-Arbeitsgruppe lediglich den Charakter einer Alibi-Handlung gehabt. Verbindliche Konkretisierungen der PEFC-Leitlinie für die Waldbewirtschaftung wären ebenso wenig realisierbar gewesen wie nachprüfbare Auswirkungen auf das forstbetriebliche Geschehen vor Ort (z.B. hinsichtlich der Bejagung des Wildes und des Chemieeinsatzes).

 

Hinzu kommt, dass die bereits vorliegenden Erfahrungen mit der FSC-Gruppenzertifizierung in Rheinland-Pfalz positiv sind. Gegenwärtig beteiligen sich 170 Städte und Gemeinden im Land mit einer Gesamtwaldfläche von 50.000 ha. FSC-zertifiziertes Holz wird verstärkt nachgefragt, die FSC-Zertifizierung ist ein eindeutiger Marketingvorteil. Darüber hinaus findet in den FSC-zertifizierten Forstbetrieben eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Waldbewirtschaftung in ökologischer und sozialer Hinsicht statt. Auf Kahlschläge und Chemieeinsatz wird verzichtet, Totholz im Wald belassen, die Belange des Waldes werden denen der Jagd vorangestellt sowie Qualitäts- und Sozialstandards für den Waldarbeiter- und Unternehmereinsatz vorgegeben.

 

Entscheident für den Erfolg eines Zertifizierungssystems ist die Qualität des Zertifikats und nicht die Schnelligkeit, mit der grosse Flächen handstreichartig über Nacht zertifiziert werden. Ob ein eindeutig forstwirtschaftlich dominiertes und den status quo bewahrendes Zertifizierungssystem wie der PEFC-Ansatz breite Akzeptanz bei den Abnehmer von Holz findet, darf bezweifelt werden. Als Anlage ist eine Synopse beider Zertifizierungssysteme aus Sicht des Bundesverbandes der Verbraucherinitiativen beigefügt.

Rückfragen richten Sie bitte an:
- NABU Rheinland-Pfalz, Siegfried Schuch, Telefon: 06133/507988
- ANW-Landesgruppe Rheinland-Pfalz, Hermann Graf Hatzfeldt, Telefon: 02742/931910
- Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz, Dr. Stefan Schaefer, Telefon: 06131/23980

 

Pressemitteilung GStB RLP vom 30. November 2000

 

 

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