Nachhaltig produzieren und konsumieren: Sozial- und Umweltstandards im Focus der Unternehmen

Vertreter und Vertreterinnen von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden, aus Ministerien, Kommunen und Zivilgesellschaft nahmen am 8. Februar 2012 am Fachgespräch Sozial- und Umweltstandards bei Unternehmen im Mainzer Landtag teil.
 

Die 100 Gäste wurden von Staatskanzleichef Martin Stadelmaier begrüßt. Er unterstrich die Bemühungen der Landesregierung in diesem Bereich, die unter anderem die Beschaffung von Produkten aus ausbeuterischer Kinderarbeit ablehne. Wirtschaftsunternehmer verschiedener Branchen zeigten auf, wie innovativ die Umsetzung von sozialen und ökologischen Standards sein kann. Die Versammlung ging zudem der Frage nach,
welche Ansprüche die Konsumenten, zu denen insbesondere auch die Kommunen zählen, an die Unternehmen stellen. Eingeladen hatte das Entwicklungspolitische Landesnetzwerk Rheinland-Pfalz ELAN in Kooperation mit der Leitstelle Ehrenamt und Bürgerbeteiligung der Staatskanzlei, dem Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur sowie den kommunalen Spitzenverbänden des Landes.

Eingangs stellte Dieter Klöckner von der SPD Landtags-Fraktion die gesetzlichen Grundlagen der öffentlichen Beschaffung in der Landesregierung dar. Des Weiteren verwies er auf die vom Land initiierte Bundesratsinitiative zur Verhinderung des Marktzugangs von Produkten aus ausbeuterischer Kinderarbeit. Randolf Stich berichtete von der Umsetzung von Sozial- und Umweltstandards insbesondere im IT-Bereich der Landesregierung. Der Geschäftsführer des Städtetages, Prof. Dr. Schwarting, erläuterte Aktivitäten der kommunalen Spitzenverbände und verwies auf die Schwierigkeiten, das Thema zu platzieren.

ELAN-Geschäftsführerin Barbara Mittler hob hervor: „Viele Güter des täglichen Bedarfs werden unter menschenunwürdigen und ressourcenverschleudernden Bedingungen hergestellt“. Sie betonte die Komplexität des globalen wirtschaftlichen Umfeldes, in dem sich Unternehmen bewegen. Diese mache Produktions- und Lieferketten unübersichtlich.

Aiko Bode vom TÜV Rheinland beleuchtete Entwicklungen bei Audits und Zertifizierungen von Sozialstandards. Er wünschte sich, dass marktführende Unternehmen die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) einfordern.

Den anwesenden Unternehmen ist es ein Anliegen, Nachhaltigkeitsaspekte in ihrem Hause zu berücksichtigen:

Für Dr. Matz von der Werner und Mertz AG ist Nachhaltigkeit Chefsache, der Mitarbeiter der wichtigste Botschafter der Nachhaltigkeit im Unternehmen. Die Firma ist EMAS zertifiziert. Hierbei handelt es sich um ein von der Europäischen Gemeinschaften entwickeltes Instrument für Unternehmen, die ihre Umweltleistung verbessern wollen und die Fortschritte jährlich überprüfen lassen.

Lothar Hartmann vom Büromaterialhersteller Memo setzt auf Zertifizierungen und Siegel soweit möglich. Er wies insbesondere hin auf die enge, langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen an der Wertschöpfungskette beteiligten Produzenten und Lieferanten.

Für Matthias Goost vom Berufskleidungshersteller Bierbaum-Proenen beruht die gute Qualität von Produkten auf einer langfristigen Zusammenarbeit mit den Zulieferunternehmen. Sein Unternehmen ist Mitglied der Fair Wear Foundation – einer unabhängigen gemeinnützigen Stiftung. Diese verfolgt das Ziel, die Arbeitsbedingungen in der Textil-Industrie weltweit zu verbessern.

Auch Christoph Bartscher vom zentralen Vergabeamt der Stadt Bonn ist die Umsetzung von Sozial- und Umweltstandards ein Anliegen. Im Tariftreue- und Vergabegesetz in Nordrhein-Westfalen ist die Einhaltung der IAO Kernarbeitsnormen für Land und Kommune gesetzlich verankert. Der Beschaffungsexperte wies jedoch auf die Problematik hin, dass bei komplexen Produkten wie PCs oder Kopierern eine Verfolgung der Herkunft bis ins Detail kaum möglich ist. Eine Kontrolle durch die Unternehmen erweist sich oft als schwierig.

Auf Vorschlag von Dr. Matz sprach sich die Versammlung einstimmig dafür aus, künftig Sozial- und Umweltstandards in ihren Unternehmen, Behörden, Institutionen und Einrichtungen zu beachten. Der Austausch zu einer sozial ökologischen Produktion und somit auch nachhaltigerem Konsum soll fortgeführt und weitere Akteure einbezogen werden.


Weitere Informationen:

Barbara Mittler
Entwicklungspolitisches Landesnetzwerk Rheinland-Pfalz
Frauenlobstr. 15–19
55118 Mainz
Tel.: 06131-9720867
E-Mail: mittler@elan-rlp.de


Pressemitteilung Entwicklungspolitisches Landesnetzwerk Rheinland-Pfalz ELAN e.V. vom 15. Februar 2012
 

 

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