Schulstrukturreform - Forderungen des Gemeinde- und Städtebundes

Der Landesausschuss des GStB (GStB) hat in seiner Sitzung am 25.02.2008 einstimmig folgende Forderungen und Erwartungen an Landesregierung und Landtag zur anstehenden Schulstrukturreform formuliert:
 
  1. Die Schulträgerschaft der neuen „Realschule plus“ ist auf der Ebene der Gemeinden, Verbandsgemeinden und kreisangehörigen Städte anzusiedeln.
  2. Die Grundschulzeit ist auf 6 Jahre zu verlängern.
  3. Im Rahmen der Schulstrukturreform ist auch eine Neuregelung der Schulfinanzierung herbeizuführen.


Zur näheren Erläuterung:

  1. Schulträgerschaft
    Bei der Vorstellung der angestrebten Schulstrukturreform wurde seitens des Bildungsministeriums immer wieder betont, dass die Frage der Schulträgerschaft unabhängig vom neuen Schulstrukturkonzept im Rahmen der Kommunal- und Verwaltungsreform entschieden werden soll. Zu dieser Frage nahm die Bildungsministerin auch im Rahmen einer Kleinen Anfrage im Landtag (Drucksache 15/1702) mit Schreiben vom 27.11.2007 wie folgt Stellung:

    „Gemäß § 76 Abs. 1 Nr. 2 Schulgesetz (SchulG) können Verbandsgemeinden, verbandsfreie Gemeinden, große kreisangehörigen Städte, kreisfreie Städte und Landkreise Träger von Realschulen und Regionalen Schulen sein. Diese Regelung soll auch für die geplanten „Realschulen plus“ gelten. Über die Frage nach der Übertragung der Schulträgerschaft für alle Schulen der Sekundarstufe I auf Landkreise und kreisfreie Städte soll unabhängig vom neuen Schulstrukturkonzept im Rahmen der Kommunal- und Verwaltungsreform entschieden werden.“


    Inzwischen ist bekannt geworden, dass sich Vertreter der ADD dahingehend geäußert haben, dass die Frage der Schulträgerschaft der neuen „Realschule plus“ noch im Februar 2008 entschieden werde bzw. schon entschieden sei, jedenfalls aber vorgezogen und außerhalb der Verwaltungsreform.

     

    Mit Schreiben der Vorsitzenden des GStB vom 15.02.2008 an den Ministerpräsidenten wurde um Klarstellung gebeten, welches weitere Vorgehen seitens der Landesregierung in dieser Angelegenheit geplant ist. Des Weiteren wird in diesem Schreiben im Einzelnen dargelegt, warum die Schulträgerschaft der Realschule plus (und auch der IGS) auf der Ebene der Verbandsgemeinden, Gemeinden und kreisangehörigen Städte anzusiedeln ist. Neben der Schulträgerschaft selbst wurde eine Beteiligung des GStB an den weiteren Gesprächen in dieser Frage eingefordert.

  2. Fünftes und sechstes Schuljahr an Grundschulen

    Bereits seit vielen Jahren sprechen sich Lehrerverbände (insbes. GEW und VBE) dafür aus, die Grundschulzeit zu verlängern. Hierfür werden insbesondere folgende pädagogische Gründe angeführt:

 

  1. Eine frühe Selektion behindert entscheidend die Kompensation sozialbedingter Startnachteile.
  2. Die Entwicklung der Sozialkompetenz ist gleichrangig mit der Entwicklung der Fach- und Methodenkompetenz. Nach der 4. Klasse bricht derzeit die Entwicklung der Sozialkompetenz stark ein.
  3. Prognoseunsicherheit
    Die von vielen Lehrerinnen und Lehrern mit hohem Aufwand und großer Sorgfalt erstellten Empfehlungen für den Sekundarschulbesuch werden vielfach von Eltern ignoriert. Eine solche Empfehlung nach 6 Grundschuljahren hätte ein ganz anderes Gewicht, auch weil sie die Entwicklung der Kinder in einer anderen Phase berücksichtigt. Es ist davon auszugehen, dass solche Empfehlungen deutlich ernster genommen würden.
  4. Vermeidung von Brüchen beim Übergang vom vorfachlichen zum fachlichen Lernen.
    Es ist pädagogisch sinnvoll, wenn der Übergang vom vorfachlichen Unterricht zum stärker fachorientierten Lernen sich innerhalb ein und derselben Schule entwickeln kann, ohne Brüche und teilweise mit denselben Lehrern.
  5. Gute Pädagogik braucht keine homogenen Lerngruppen
    Es gibt inzwischen hervorragende pädagogische Konzepte nach denen Kinder auch in heterogenen Lerngruppen gemeinsam individuell gut gefördert werden und zwar sowohl diejenigen, die zu außergewöhnlichen Leistungen fähig sind als auch diejenigen, denen bereits einfache Lernaufgaben ein Höchstmaß an Anstrengungen abverlangen.
  6. Entwicklungspsychologische Gründe


Für das in seiner Ich-Identität noch wenig gefestigte Kind ist die frühe schulische Neuorientierung mit ihren Brüchen oft weit problematischer als 2 Jahre später, gerade auch was den Verlust der Freunde anbelangt. Bei längerem gemeinsamem Lernen wächst das Selbstwertgefühl kontinuierlich. Beim frühen Wechsel auf Sekundarschulen gibt es diese kontinuierliche Zunahme nicht, sondern das Selbstwertgefühl sinkt nach der 4. Klasse erst einmal ab, um dann 1 bis 2 Jahre später verlangsamt wieder anzuwachsen.

Neben diesen pädagogischen Gründen sprechen auch gewichtige schulorganisatorische Gründe dafür, die Grundschulzeit auf sechs Jahre zu verlängern. Gerade vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung können so Schulstandorte gesichert und vorhandene Kapazitäten sinnvoll ausgenutzt werden. Es macht wenig Sinn, auf der einen Seite weiterführende Schulen (aus-)zubauen und andererseits Grundschulen zu schließen. Auch wäre es wesentlich leichter, ein wohnortnahes Angebot für die Fünft- und Sechstklässler zu gewährleisten, als dies in weiterführenden Schulen der Fall ist. Der inzwischen in immer stärkerem Maße stattfindende Schülerverkehr könnte reduziert werden, was nicht nur zu einer Senkung der Kosten der Schülerbeförderung führen würde.


3. Schulfinanzierung

Die Schulstrukturreform in Rheinland-Pfalz sollte auch dazu genutzt werden, eine Neuregelung der Schulfinanzierung herbeizuführen, indem klare Verantwortungsbereiche sowie transparente und gerechte Finanzierungsmodelle erarbeitet werden.

 

Jeder Schulträger sollte für die Finanzierung seiner Schulen allein zuständig sein. Wenn der Landkreis Schulträger wird, sollte er die zur Finanzierung erforderliche Umlage nur von den kreisangehörigen Städten, Gemeinden und Verbandsgemeinden erheben dürfen, für die er die Schule vorhält (gespaltene Kreisumlage).

Ein Wettbewerb unter Schulen ist die Folge des Verzichts auf Schulbezirksfestlegungen. Kommunen, aus denen Schüler in die Schule von Nachbargemeinden gehen, sollten einen (pauschalen) Kostenanteil an den Schulträger zahlen.

Für Rückfragen steht Ihnen auch der Vorsitzende des Schulausschusses des GStB Rheinland-Pfalz, Bürgermeister Bernhard Busch, Verbandsgemeindeverwaltung Ruwer, Tel.: 06500-918109, zur Verfügung.

 

>>> Schreiben der Vorsitzenden des GStB vom 15.02.2008

 

Pressemitteilung GStB RLP vom 26. Februar 2008

 

 

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